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Rezension: Schluss mit der Angst- Notker Wolf- Herder

Der Autor dieses Buches ist der Abtprimas Notker Wolf OSB. Er wurde 1977 Erzabt der Benediktinerabtei St. Ottilien und war von 2000 bis 2016 als Abtprimas der höchste Repräsentant des Benediktinerordens mit über 800 Klöstern und Abteien weltweit. Gemeinsam mit dem Co-Autor Simon Biallowons, einem studierten Philosophen, hat er das vorliegende Buch verfasst, welches sich an Bücher wie "German Angst" von Sabine Bode anreiht, das ich 2008 bereits rezensiert habe. Besagte Angst scheint zwischenzeitlich noch tiefer in die Gesellschaft eingedrungen zu sein. 

Notker Wolf erzählt von seinen Lebenseindrücken aber auch von seinen Ängsten, die es für ihn stets zu überwinden galt. Er weiß, dass jeder Mensch Angst hat, weiß auch dass Angst ansteckend ist und auf diese Weise "Angst-Gesellschaften" entstehen können. Wer Angst habe, mache dicht und zwar emotional, rational und oft auch rein physisch. 

Der Autor reflektiert die durch Verängstigung entstandenen Blockaden der Gesellschaft und verrät wie er selbst mit diffuser Angst umgeht. Resilienz als Schlüsselbegriff im Umgang mit Angst vergisst Notker Wolf natürlich nicht zu erwähnen. 

Der Abtprimas hat viele Vorträge für Manager und Führungskräfte gehalten. Dabei hat er in Erfahrung gebracht, dass auch sehr erfolgreiche Menschen letztlich auf Zuspruch angewiesen sind, weil Zuspruch Mut macht, Widerstände zu überwinden. 

Die großen Heiligen im Christentum waren Profis im Scheitern, so der Autor. Scheitern sei menschlich und christlich. Nicht christlich allerdings sei, aufzugeben und sich in Angst einzugraben. Notwendig sei es, Existenzängste, auch die Angst vorm Scheitern abzubauen. Die Angst vor dem Fremden macht Begegnungen und Dialoge mit Fremden notwendig. Hier auch ist Kontrollverlust ein Thema. All diese Verunsicherungen zu überdenken, schenkt die Chance Angst zu verlieren. 

Sogenannte Wutbürger, über diese schreibt  Notker Wolf auch, sind Menschen, die ängstlich sind und sich überfordert fühlen, es aber letztlich nicht wirklich sind. Mehr Mut- und weniger Wutbürger in Deutschland wünscht sich Notker Wolf. Dabei sind Mutbürger solche, die den Mut haben, sich Herausforderungen  der Zeit zu stellen, die er im Einzelnen benennt. 

Eine Herausforderung ist beispielsweise die Integration der Fremden im Land. Hier beispielsweise ist Barmherzigkeit gefragt, die das Gegenteil von Herzenshärte darstellt. Demut und Barmherzigkeit sind Tugenden, die für Benediktiner von Bedeutung sind. Darüber mehr zu erfahren, ist natürlich sehr spannend, weil hier alles zusammenspielt und deutlich macht, das diffuse Angst in unserer Zeit viel damit zu tun hat, dass Menschen zu wenig in Grundwerten gefestigt sind. 

Notker Wolf appelliert Hoffnungsträger zu werden, sprich anderen die Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben. Ohne Hoffnung sei das Leben nur schwer zu ertragen. Deshalb müssen wir alle Hoffnungsträger sein. 

Was Hoffnung ist und ermöglicht, erfährt man in der Folge und man darf sich auch mit dem Begriff "Hoffnungsschimmer" befassen, zu dem der Autor eine bemerkenswerte Assoziation hat.

"Gottvertrauen statt Heidenangst" titelt der Autor ein Kapitel und schreibt, dass für ihn Gottvertrauen in seinem bisherigen Leben möglicherweise die wichtigste Konstante gewesen sei. Sich nicht zu fürchten, weil wir auf Gott vertrauen können, ist ein schöner Gedanken, den man zulassen sollte, um sich so angstfrei allem Fremden gegenüber zu öffnen, das letztlich stets den Geist weitet und uns Erkenntnis und so vieles mehr schenkt. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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