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Rezension: Luther gemeinsam betrachtet- Anselm Grün, Nikolaus Schneider- Vier-Türme-Verlag

Die Herausgeber dieses Buches sind Dr. Lothar Bauerochse und Klaus Hofmeister. Die beiden sind Redakteure beim Hessischen Rundfunk für den Bereich Religion und Kirche sowie die Autoren in Münsterschwarzach. Die genannten Redakteure befragen den Benediktinermönch Dr. PA Anselm Grün und den ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider zu reformatorischen Impulsen heute. 

Dabei gehen die theologischen Stichworte, an denen entlang das Gespräch geführt wird, auf die Leitgedanken der Reformation zurück. Anselm Grün und Nikolaus Schneider bewirken mit ihrem Gespräch einen verständlichen und anregenden Zugang zu Luther und zur Reformation. Auf diese Weise wird die Energie spürbar, die in dem reformatorischen Impuls heute noch liegt, schreibt Klaus Hofmeister in seinem Vorwort. 

Zu Beginn des Buches geht es um ökomenische Grunderfahrungen. Die beiden Vertreter der beiden unterschiedlichen Konfessionen beantworten hier eine Vielzahl spannender Fragen, um anschließend Lutherbilder abzugleichen. So erfährt man, welches Bild des Reformators Martin Luther Pater Anselm heute hat, aber auch, dass Luther in Sicht Pater Anselms das Thema Willensfreiheit zu pessimistisch sah und offenbar eine zu negative Sicht auf die Menschen hatte. 

Die unterschiedliche Betrachtungsweise und die Gemeinsamkeiten, die Grün und Schneider im Hinblick auf Luther haben, hier alle aufzulisten, führt allerdings zu weit.

Es werden unterschiedliche Grußworte der Reformation diskutiert, so etwa ANGST. Des Weiteren erfährt man u.a. wie man heute den Menschen das Fegefeuer erklären kann und liest zudem, dass auch in der evangelischen Theologie die Frage des Gerichts eine Rolle spielt. 

Für Anselm Grün zeigt sich die Sünde von heute in der Unfähigkeit, sich selbst anzunehmen. Sowohl für ihn als auch für Nikolaus Schneider sind Ratgeber-Bücher der moderne Ablass. Glaube ist ein weiteres Diskussionsthema und hier u.a., welche Bedeutung die Gemeinschaft für die Kirche und für den Glauben hat. Anselm Grün ist überzeugt, dass Priester vorleben sollten wie wichtig Gemeinschaft ist, in der man seine innere Freiheit bewahren kann, die uns trägt. 

Auch über Freiheit und Verantwortung bei Luther liest man und über Hierarchie in der katholischen und evangelischen Kirche. Zudem wird erörtert wie man als Christ lebt. Es sind noch viele andere Themen, die breitgefächert erörtert werden, dabei sind auch die Vielfalt und Einheit der Kirchen.

Bei allem gewinnt man den Eindruck, dass die Kirchen sich wieder näher kommen, trotz unterschiedlicher Traditionen, die sich unterscheiden, die verschieden sind. Anselm Grün und Nikolaus Schneider gehen lebendig mit der Tradition um und bringen sie mit eigenem Leben und persönlicher Erfahrung in Verbindung. Deutlich wird, dass die Zeit reif ist für eine ökumenische Zukunft. Wo einst Eiszeit war, ist jetzt Aufbruchstimmung. 

Empfehlenswert 

Helga König 

Überall im Fachhandel erhältlich- 

Rezension: Versäume nicht dein Leben- Anselm Grün

Der Autor dieses lebensklugen Buches ist der von mir sehr geschätzte Benediktinermönch Anselm Grün. Er war langjähriger wirtschaftlicher Leiter der Abtei Münsterschwarzach und ist noch immer als Seelsorger, spiritueller Berater und geistlicher Begleiter geschätzt. Seine Seminare und Vortragsveranstaltung gelten als außerordentlich gefragt. 

Im vorliegenden Buch geht es Anselm Grün darum, seinen Lesern zu verdeutlichen, wie man Bedenken und Ängste überwindet und lernt, das Leben zu leben, das zu uns passt. Pater Anselm schreibt, dass er häufig Menschen erlebt, die ihr Leben versäumen, weil es nicht so passe, wie sie sich dies vorstellen. 

Nicht wenige junge Menschen haben Angst, dass sie von einem konkreten Beruf oder einer konkreten Arbeit überfordert sind. Dabei wird die Angst vor dem Burn-out nicht selten zur Dauerausrede im Hinblick auf Stress. So fühlen sich immer mehr Leute schon bei kleinen Aufgaben zu sehr in Anspruch genommen. Hinzu kommt noch die Angst Fehler zu machen. Alles zusammen führt dazu, sich überhaupt nicht mehr fordern zu lassen. 

Den Überlegungen von Pater Anselm sind stets Antworten Jesu beigegeben. 

Wichtig ist es zu wissen, dass sein Leben nur der überhaupt wagen kann, der einen Sinn darin sieht. Pater Anselm bezieht sich in seiner Argumentation diesbezüglich auf den jüdischen Therapeuten Viktor Frankl, der sechs Konzentrationslager überlebt hat. Der Therapeut befasste sich sein Leben lang mit Sinnfragen. 

Menschen, die egozentrisch um sich selbst kreisen, entdecken keinen Sinn im Leben. Sinnstiftend ist, wenn wir anderen Mut machen, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen und unseren Auftrag in dieser Welt erkennen und leben. Solange wir nur um uns selbst kreisen, leben wir nicht und bewirken nichts. 

Pater Anselm reflektiert den Narzissmus und schreibt über falsch verstandene Kontemplation, die zur Lebensverweigerung führt. Wer seinem Leben keinen Sinn verleiht, überspielt dies nicht selten mit äußeren Aktivitäten, eilt von einem Event zum anderen, doch wird dadurch nicht lebendiger, weil Leben letztlich heißt, sich Aufgaben zu stellen und diese zu lösen. 

Das Buch hilft dabei, dies zu erkennen und den Sinn von Hoffnung zu begreifen, die notwendig ist, um das eigene Leben zu wagen und es voller Kraft und Zuversicht auch zu leben. 

Pater Anselm nennt 7 kluge Schritte, die es uns möglich machen, das Leben zu leben, das zu uns passt.

Seinem Rat zu folgen, ist auf jeden Fall hilfreich. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich

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Rezension: Weisheitsspuren- Die schönsten Impulse- Kösel

Autor dieses Buches ist der Benediktiner und ZEN-Meister Willigis Jäger. Er ist Mitbegründer des Benediktushofes Holzkirchen bei Würzburg, einem Zentrum für spirituelle Wege, wo er lebt und arbeitet. Willigis Jäger gründete die Zenlinie "Leere Wolke" und die Kontemplationslinie "Wolke des Nichtwissens."Herausgeber des Werks ist die "West-Östliche Weisheit-Willigis Jäger Stiftung". 

Das Buch enthält eine Fülle von gedanklichen Impulsen, die von einfühlsamen Fotos begleitet werden. 

Spiritualität sei nichts Abgehobenes schreibt Willigis Jäger zum Geleit, von daher könne selbst die kleinste Handlung zu einer spirituellen Übung werden. Der Autor möchte mit seinen Impulsen in die Erfahrung unseres wahren Wesens führen. Im Grunde könnte man zu jedem der Gedanken einen Essay oder eine kleine Kolumne schreiben.  Die ein oder andere Sentenz, werde ich demnächst auch in meiner Sonntagskolumne reflektieren.

Im Rahmen von 7 Kapiteln wird man mit einer Denkweise vertraut gemacht, die in unsere egoistische Gesellschaft nicht passen will, in der Stille und Friede nirgendwo mehr zu finden sind und man sich nicht selten nur noch nach ewiger Ruhe sehnt. 

Zwei Impulse möchte ich an dieser Stelle hier wiedergeben, damit sie wissen, was Sie erwartet:

"Nichts und niemand existiert getrennt voneinander."

"Wir sind Mensch geworden, um zu reifen und uns zu entfalten. Alle Nöte und Probleme, alle Freuden und Schwierigkeiten wollen uns helfen zu unserem eigentlichen Wesen zu finden. Das ist die Aufgabe unseres Lebens."

In der Gesamtheit hat das Buch etwas sehr Tröstendes für all jene, die viel Leid in ihrem Leben erfahren und verdeutlicht, dass nur das Annehmen des Jetzt und das Leben genau dort in uns Veränderungen herbeiführen kann, auch wenn es zunächst nicht so scheinen mag.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Alles Gute! Die schönsten Texte und Bilder von Papst Benedikt XVI-Herder

Heute am 16.4.2017 feiert Papst Benedikt XVI. seinen 90. Geburtstag. Simon Biallowons hat deshalb das vorliegende schöne Büchlein herausgebracht, das u.a. lesenswerte Ansprachen, Meditationen, Predigten sowie Anekdoten und eine große Anzahl von ansprechenden Fotos des Jubilars enthält. 

Das Vorwort  zu diesem Bildbändchen hat Papst Franziskus geschrieben. Er hebt hervor, dass ihm immer dann, wenn er Werke von  Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. lese, bewusst werde, dass dieser Theologie "auf Knien" betrieben habe. Benedikt XVI. sei ein Mann, der wirklich glaube und wirklich bete. Man erkenne bei ihm, dass er ein Mann des Friedens sei und damit ein Mann Gottes. 

Biallowons stellt Benedikt XVI. als großen Liebhaber klassischer Musik vor und erwähnt speziell dessen Affinität zu Mozart. Die c-Moll-Messe dieses Komponisten habe er erstmals 1941 in Salzburg gehört habe. Nicht grundlos sagt Benedikt XVI: "Mozart ist schön, wie die Schöpfung schön ist.“ 

In seiner Ansprache vom 4. Juli 2015 reflektiert Benedikt XVI. die drei Ursprungsorte der Musik. Der dritte Ursprungsort ist die Begegnung mit dem Göttlichen, die von Anfang an zum Menschsein gehöre. Die Reinheit und Größe von Musik hänge mit dieser Begegnung zusammen, die sich in Liebe und Schmerz offenbare. 

Ich möchte die Anekdoten im Buch hier nicht verkürzt hier wiedergeben. Gesagt sei, dass sie uns den Jubilar menschlich sehr nahe bringen. Dies aber geschieht auch durch die Bilder dieses freundlichen Kirchenmannes, der seines Erfolgs als Autor wegen nicht zuletzt auch als "Bestsellerpapst" bekannt ist. 

Die Fotos dokumentieren, dass Benedikts Herz als Papst sich für die ganze Welt geöffnet hat und sich viele Menschen ihm nahe fühlen, auch noch heute, wo er schon lange auf die aktive Ausübung des Petrusdienstes verzichtet hat und  Papst Franziskus sich als ein würdiger Nachfolger erweist. 

Empfehlenswert

Helga König 

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Rezension: Schluss mit der Angst- Notker Wolf- Herder

Der Autor dieses Buches ist der Abtprimas Notker Wolf OSB. Er wurde 1977 Erzabt der Benediktinerabtei St. Ottilien und war von 2000 bis 2016 als Abtprimas der höchste Repräsentant des Benediktinerordens mit über 800 Klöstern und Abteien weltweit. Gemeinsam mit dem Co-Autor Simon Biallowons, einem studierten Philosophen, hat er das vorliegende Buch verfasst, welches sich an Bücher wie "German Angst" von Sabine Bode anreiht, das ich 2008 bereits rezensiert habe. Besagte Angst scheint zwischenzeitlich noch tiefer in die Gesellschaft eingedrungen zu sein. 

Notker Wolf erzählt von seinen Lebenseindrücken aber auch von seinen Ängsten, die es für ihn stets zu überwinden galt. Er weiß, dass jeder Mensch Angst hat, weiß auch dass Angst ansteckend ist und auf diese Weise "Angst-Gesellschaften" entstehen können. Wer Angst habe, mache dicht und zwar emotional, rational und oft auch rein physisch. 

Der Autor reflektiert die durch Verängstigung entstandenen Blockaden der Gesellschaft und verrät wie er selbst mit diffuser Angst umgeht. Resilienz als Schlüsselbegriff im Umgang mit Angst vergisst Notker Wolf natürlich nicht zu erwähnen. 

Der Abtprimas hat viele Vorträge für Manager und Führungskräfte gehalten. Dabei hat er in Erfahrung gebracht, dass auch sehr erfolgreiche Menschen letztlich auf Zuspruch angewiesen sind, weil Zuspruch Mut macht, Widerstände zu überwinden. 

Die großen Heiligen im Christentum waren Profis im Scheitern, so der Autor. Scheitern sei menschlich und christlich. Nicht christlich allerdings sei, aufzugeben und sich in Angst einzugraben. Notwendig sei es, Existenzängste, auch die Angst vorm Scheitern abzubauen. Die Angst vor dem Fremden macht Begegnungen und Dialoge mit Fremden notwendig. Hier auch ist Kontrollverlust ein Thema. All diese Verunsicherungen zu überdenken, schenkt die Chance Angst zu verlieren. 

Sogenannte Wutbürger, über diese schreibt  Notker Wolf auch, sind Menschen, die ängstlich sind und sich überfordert fühlen, es aber letztlich nicht wirklich sind. Mehr Mut- und weniger Wutbürger in Deutschland wünscht sich Notker Wolf. Dabei sind Mutbürger solche, die den Mut haben, sich Herausforderungen  der Zeit zu stellen, die er im Einzelnen benennt. 

Eine Herausforderung ist beispielsweise die Integration der Fremden im Land. Hier beispielsweise ist Barmherzigkeit gefragt, die das Gegenteil von Herzenshärte darstellt. Demut und Barmherzigkeit sind Tugenden, die für Benediktiner von Bedeutung sind. Darüber mehr zu erfahren, ist natürlich sehr spannend, weil hier alles zusammenspielt und deutlich macht, das diffuse Angst in unserer Zeit viel damit zu tun hat, dass Menschen zu wenig in Grundwerten gefestigt sind. 

Notker Wolf appelliert Hoffnungsträger zu werden, sprich anderen die Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben. Ohne Hoffnung sei das Leben nur schwer zu ertragen. Deshalb müssen wir alle Hoffnungsträger sein. 

Was Hoffnung ist und ermöglicht, erfährt man in der Folge und man darf sich auch mit dem Begriff "Hoffnungsschimmer" befassen, zu dem der Autor eine bemerkenswerte Assoziation hat.

"Gottvertrauen statt Heidenangst" titelt der Autor ein Kapitel und schreibt, dass für ihn Gottvertrauen in seinem bisherigen Leben möglicherweise die wichtigste Konstante gewesen sei. Sich nicht zu fürchten, weil wir auf Gott vertrauen können, ist ein schöner Gedanken, den man zulassen sollte, um sich so angstfrei allem Fremden gegenüber zu öffnen, das letztlich stets den Geist weitet und uns Erkenntnis und so vieles mehr schenkt. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension- Franziskus- Ein Lebensbild- Andreas Englisch- C. Bertelsmann

Autor dieses reich bebilderten Buches ist Andreas Englisch. Er gilt als einer der bestinformierten Journalisten im Vatikan. 2015 erschien sein Buch "Der Kämpfer im Vatikan. Papst Franziskus und sein mutiger Weg", das in 14 Ländern veröffentlicht und über 500 000 Mal verkauft wurde. 

Auch das vorliegende Werk befasst sich mit Lebensstationen des jetzigen Papstes, der am 17. Dezember 2016 80 Jahre alt wird. 

Neben mehr als 200 zumeist unbekannten Bildern erwarten den Leser Einblicke in das Leben und Wirken dieses Papstes, der für eine grundlegende Veränderung in der Kirche steht. Der Argentinier stammt aus keiner Klerikerfamilie. Er wurde einst Priester aus dem tiefen Glauben an Gott heraus. 

In Argentinien versuchte er als Erzbischof von Buenos Aires jahrzehntelang die Auswirkungen der brutalen Militärdiktatur mit über 30 000 Todesopfern, die man größtenteils verschwinden ließ, zu lindern. Dabei reifte bereits in seiner Kindheit und Jugend die Überzeugung, dass er selbst und die Kirche an die Seite der Armen gehörte und genau danach handelt er. 

Dieser Mann möchte sich nicht abschirmen lassen. Er umarmt alle und macht deutlich, dass er beschützen möchte.  Man sieht auf vielen der Fotos, dass er die Menschen sucht. Selbst in den Slums hat er keine Berührungsprobleme. Er möchte bei allen Menschen sein und  Zuversicht schenken.

Franziskus lebt sehr bescheiden, obschon er das nicht müsste, kommt nicht als Mann in Purpur zu den Armen, sondern will Armer unter Armen sein. In vielen anderen Beziehungen- das macht das Buch auch klar- unterscheidet dieser Papst sich ebenfalls von seinen Vorgängern. Für ihn gibt es keinen Krieg der Religionen. Er weiß, dass alle Religionen den Frieden lieben und ist sich bewusst, dass der Krieg von anderen gewollt wird. Franziskus sagt: "Es gibt einen weltweiten Konflikt, es geht um Interessen, um Geld, um die natürlichen Ressourcen, aber keinen Religionskrieg“

Seite für Seite verdichtet sich das Bild dieses großartigen Menschenfreundes, der die Wirtschaftsordnung als ungerecht anprangert und das Streben nach Wachstum für verfehlt hält. Er sieht im ungerechten Wirtschaftssystem die Ursache für Krieg und Terror. Da stimmt man ihm wie in vielen anderen Betrachtungsweisen problemlos zu und fühlt sich vom Oberhaupt der katholischen Kirche besser verstanden als von den meisten Politikern. 

Man erfährt in der Folge mehr über den Umbau der Kirche.  Thematisiert werden:

Die interreligiöse Freundschaft
Globalisierung kontra Machterhalt 
Amoris Laetitia 
Heisses Eisen Homosexualität 

Franziskus ist eindeutig ein weltoffener Mensch. Wenn er seine Priester warnt, dass der Beichtstuhl "keine Folterkammer" sei, spricht dies auch für seine Toleranz. Dass er eine arrogante Kirche im Goldbrokat ablehnt, spricht für ihn als demütiger Mensch und dass er Kardinäle ernennt, die am Ende der Welt auf Inseln im Pazifik bei Armen leben, zeigt ebenfalls, dass er frei von Hochmut Mensch unter Menschen sein möchte.. 

Alles, was über ihn zu lesen ist, schenkt Hoffnung und Zuversicht auf eine bessere Welt. Wer ihm folgt, hilft ihm bei Umbau unserer verkommenen Giergesellschaft und trägt zur Rettung der Welt bei.

Sehr empfehlenswert. 

Helga König


Das Buch ist überall im Handel erhältlich

Onlinebestellung: C.Bertelsmann oder Amazon

Rezension: Geo Epoche Nr. 81 – Das Christentum

Die Geo Epoche Nr. 81 befasst sich im Rahmen von 19 Textbeiträgen unterschiedlicher Autoren mit dem Christentum. Eine Fülle von Bildern begleiten die informativen Texte, die Ereignisse in verschiedenen Jahrhunderten beleuchten und mit der Hinrichtung des Wanderpredigers Jesus von Nazareth  in Jerusalem ihren Anfang nehmen. 

Da eigene Schriften von Jesus nicht überliefert sind,  galt  es unzählige kleinere und größere Versatzstücke von Forschern zu finden, um das Lebensbild des Predigers zusammenzusetzen. Heute sind  rund 5000 antike Abschriften und Fragmente des Neuen Testaments erhalten, die das Bild prägen. 

Thematisiert werden  im Magazin  u.a. der Streit der Apostel und auch die Christenverfolgung im 3. Jahrhundert nach Chr. Damals wurden Tausende von Gläubigen gefoltert und hingerichtet. Im Jahre 203 wurde Vibia Perpetua in der Arena von Kartago hingerichtet, weil sie sich öffentlich zum Christentum bekannte. Doch schon viel früher wurden in Rom Christen verfolgt. So ließ Kaiser Nero viele Gläubige in Rom hinrichten. 

Im 3. Jahrhundert wurde die Verfolgung immer weiter verschärft. Deshalb wichen zahlreiche Christen in den Untergrund aus und andere verleugneten ihren Glauben. Ab 311 n. Chr. begann der römische Kaiser die Christen zu dulden, dann sogar zu fördern und schließlich wurde der christliche Glaube zur Religion des römischen Reiches. 

Zur Sprache gebracht wird die Reconquista, dabei geht es um den Krieg der Christen gegen die Muslime in der Levante und um die Rückeroberung der von den Mauren beherrschten Iberischen Halbinsel. Auch die Schlacht bei Konstantinopel, wo die Christen Ostroms mit ihren Glaubensbrüdern im Westen über theologische Fragen stritten, bleibt nicht ausgespart.

Über Franziskus von Assisi liest man Wissenswertes. Ihm schlossen sich 13. Jahrhundert immer mehr Menschen aus allen Schichten an. 10 Jahre nach der Gründung seines Bettelordens zählte die Gemeinschaft schon 5000 Mitglieder. Sein Ideal war die heilige Einfalt. Seine Brüder warnte er, Predigten nur auf Buchweisheiten zu stützen. Für ihn gelten Taten mehr als Worte. Er wollte, dass seine Ordensbrüder Buße und Umkehr vorlebten und auch Friede und Versöhnung. Viele Gedanken von Franz von Assisi kennt man aus dem Munde von Papst Franziskus, wie im Text nicht grundlos erwähnt wird. 

Dann liest man über den böhmischen Priester Jan Hus der wider die Habsucht, Unmoral und Heuchelei der Kleriker predigte und 1415 durch das Konzil von Konstanz zum Feuertod verurteilt wurde und auch Luther ist ein Beitrag gewidmet. In der Folge kommen der 30. Jährige Krieg zu Sprache und die Französische Revolution. Jetzt vertrieben die Aufklärer Gott aus dem Zentrum des Universums und die Religion wurde durch einen Kult der Vernunft ersetzt. 

In der Neuen Welt suchten Protestanten Schutz und später dann widmen sich in der Befreiungstheologie Lateinamerikas  katholische Priester dem Kampf um Gerechtigkeit. 

Über all das und mehr kann man sich ausgiebig in dem vorliegenden Magazin informieren, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

Das wahre Christentum  lebt die Liebe und überwindet  damit die Selbstsucht.

Helga König

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Rezension: Von Gipfeln und Tälern des Lebens –Anselm Grün

"Wandern bedarf der Disziplin. Wir können die Erfahrungen, die wir dabei machen, auf unser gesamtes Leben übertragen" (Anselm Grün)

Autor dieses schönen Buches, das voller Lebensweisheit steckt, ist der Benediktinermönch Dr. Anselm Grün.

Seinen Text über das Wandern hat er seinen Geschwistern gewidmet, weil er mit diesen die meisten diesbezüglichen Erfahrungen gesammelt hat. 

Anselm Grün schreibt eingangs, dass er im Laufe der Jahre das Wandern immer mehr als Bild für seinen Weg als Mensch zu sehen gelernt habe. Beim Wandern gehe es wie im Leben darum, sich neuen Herausforderungen zu stellen, seine Kräfte zu erproben und an Aufgaben zu wachsen. Beim Wandern gelange man wie im Leben immer wieder an seine Grenzen, müsse sich neu orientieren, erfahre Gipfelerlebnisse und Talsohlen, beschwerliche Aufstiege und wehmütige Abschiede. Zudem werde man mit sich selbst konfrontiert, erlebe auch gegenseitiges unterschützen u.a. mehr. 

Von den Ideen, die Anselm Grün beim Wandern gekommen sind, erzählt dieses Buch. 

"Einen Weg zu gehen, heißt immer auch, Abschied zu nehmen von einem anderen", schreibt er da. Es sei Energieverschwendung über getroffene Entscheidungen nachzugrübeln und einem Weg, den man nicht gegangen ist, nachzutrauern. Leben bedeute, sich zu entscheiden. Nur so gestalte man seine Lebensgeschichte. Wer nicht entscheide, über den werde entschieden. 

Der Autor denkt auch über das Zögern nach und empfiehlt, seine Unsicherheit unter den Arm zu nehmen und sich auf den Weg zu machen. Weshalb Weggefährten wichtig sind und was sie für uns bedeuten, ist ein Thema, bevor man über den Aufbruch und das Innehalten Praktisches und Tiefsinniges erfährt und schließlich liest, dass das Gehen auch ein Sich –frei-Gehen vom eigenen Ego sei. 

Leben benötige eine Balance zwischen Rasten und Wandern, Ruhe und Arbeit. Wer sich keine Auszeit nehme, den zwinge mitunter der Körper dazu. Auftanken, sich erneut aufmachen, loslassen, um ganz präsent zu sein, darum geht es im Leben, lehrt das Wandern. 

Gipfelerfahrungen… Wie geht man mit Erfolg um? Auch darüber reflektiert Anselm Grün und rät Erfolge im Leben bewusst wahrzunehmen, um sich an trüben Tagen erinnern zu können. 

... und  über den Berg der Versuchung liest man. Es handelt sich hierbei um die Hochmut, die Folge von Gipfelerlebnissen sein kann und die uns letztlich in die Isolation führt. Es sind nicht wenige, so der Autor, die das Erstürmen der Gipfel dazu nutzen, um vor ihrem Alltag in die Grandiosität zu flüchten und immer einsamer werden. Dies muss man sich bewusst machen, um selbst nicht in die Falle zu tappen.

Auch über das Älterwerden schreibt der Autor und darüber, dass man sich damit aussöhnen muss, in fortgeschrittenen Jahren nicht mehr jeden Gipfel besteigen zu können. Er  nennt auch  das Phänomen der Umwege und hilft zu erkennen, dass Umkehren keine Niederlage ist, sondern eine Möglichkeit, einen neuen Weg zu finden. 

Neben diesen und vielen anderen Betrachtungen, wird man mit biblischen Bildern zum Thema Weg und Berg vertraut gemacht. Diese Gedanken runden persönlichen Erlebnisse des Autors ab, der, das darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, stets auf dem Weg zu Gott ist.

Das lehrreiche Buch endet mit sehr zuversichtlichen Worten aus dem Buch des Propheten Jesaja: 

"Auch wenn die Berge von ihrem Platz weichen und die Hügel zu wanken beginnen- meine Huld wird nie von dir weichen und der Bund meines Frieden nicht wanken, spricht der Herr, der Erbarmen hat mit dir.“ (Jes 54,10)

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Rituale der Stille- Anselm Grün- Vier –Türme-Verlag

"Wenn wir in der Stille in uns hineinhören, bricht in uns eine unendliche Sehnsucht auf." (Anselm Grün). 

Dieser Tischaufsteller enthält Rituale des Benediktiners Anselm Grün, die als Schlüssel verwendet werden können, der zum Geheimnis und zur Tiefe der Stille führen. Die Rituale verhelfen zu einem friedvollen Leben.

Neben den Ritualen enthält der Tischaufsteller schöne Bilder und Zitate von Anselm Grün, die sich mit der Stille befassen.  Nur wenn man  wirklich still wird, so der Autor, kann man sich selbst spüren und seinen inneren Wert, das göttliche Kind in uns entdecken. Dieses Kind nimmt uns an die Hand, zeigt uns Wege für unser Leben zu anderen, für unser Leben mit Gott.

Die Rituale verhelfen dem Leser dazu, dass Gedanken und Gefühle zur Ruhe kommen. Sie überzeugen und lassen sich zumeist problemlos umsetzen. 

Eines der Rituale möchte ich an dieser Stelle zitieren: 

Alles darf so sein, wie es ist. 
Wenn du nach einem anstrengenden Tag 
Das Gefühl hast, gegen Wände zu rennen 
und gar nichts bewirken zu können,
halte inne und werde still.
Erlaube allen Situationen genauso zu sein,
wie sie sind. Lass Deine Anstrengungen los, 
nimm alles so an, wie es ist, und urteile nicht. 
So kann in dir Ruhe entstehen, 
die dich gelassener 
mit allem umgehen lässt. 

Dazu dann gibt es umseitig ein Zitat, der das Ritual zusammenfasst 

"Wenn wir innerlich dem zustimmen, was ist, können wir zur Ruhe kommen." 

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Deutschland als multireligiöser Staat- Eine Herausforderung- Hans Markus Heimann

Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Hans Markus Heimann. Er lehrt Öffentliches Recht und Staatstheorie an der Hochschule der Bundesrepublik Deutschland. Sein Anliegen ist es, ausgehend von der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit, einen konzisen Überblick über alle staatlichen Regelungen, die Religion und Weltanschauung betreffen, zu machen. 

Es ist nicht nur die aktuelle Zuwanderung von muslimischen Flüchtlingen in Deutschland, sondern auch der immense Ausstieg aus den beiden großen christlichen Religionen und Weltanschauungen, die das Verhältnis von Staat und Religion vor eine neue Herausforderung stellt. 

Heimann reflektiert, um die neue Herausforderung zu lokalisieren, zunächst den multireligiösen Staat in Deutschland, um anschließend im Rahmen des Abschnitts "Das Verhältnis von Staat und Religion in Deutschland" die Kriterien Neutralität, Laizismus, Parität, Neutralitätsausnahmen und Toleranz näher zu betrachten. Wissen sollte man, dass Toleranz beispielsweise ein außerrechtlicher Maßstab ist und kein Schlüssel zur staatlichen Bewältigung multireligöser Konfliktlagen. Dabei spielt es keine Rolle, um welche Konzeption von Toleranz es sich handelt, sei es Erlaubnis, Koexistenz, Respekt oder Wertschätzung. 

Für staatliche Entscheidungen religiös motivierter Problemlagen können generell nur Religionsfreiheit und Neutralität als Maßstab dienen. Warum das so ist, wird näher im Buch erklärt. 

Weiter geht es im vorliegenden Werk um die grundrechtliche Dimension der Vorstellung von Religionsfreiheit als "magna charta" des multireligiösen Staates. Hier werden Begriffe wie individuelle und kollektive Religionsfreiheit ausgelotet, u.a. auch über religiöse Gleichheit und aktuelle Konfliktfelder nachgedacht. Zur Sprache kommen religiöse Symbole in staatlichen Räumen, Religionsfreiheit in staatlichen Einrichtungen, auch religiös motivierte Kleidung, Schächten, Beschneiden, Glockengeläut und Muezzinruf, Kirchenasyl u.a.m. 

Im letzten Abschnitt dann wird die historische Dimension des Religionsrechts staatskirchlichen Ursprungs in Augenschein genommen und beispielsweise über die Finanzierung von Religionsgemeinschaften, auch über schulischen Religionsunterricht und Verträge zwischen Staat und Religionsgemeinschaften informiert. 

Die komplexen Erörterungen des Autors machen deutlich, dass unser Staat dem Anspruch multireligiös zu sein, gerecht wird und zwar so, dass er bei größtmöglicher religiöser Freiheit das friedliche Zusammenleben seiner Einwohner gewährleistet. Die Herausforderungen des friedlichen Zusammenlebens, so Heimann, liegen auf einem anderen Feld. Jeder einzelne Bewohner unseres Landes muss für sein Tun akzeptieren, das Voraussetzung für ein Leben mit dem Grundgesetz die Anerkennung der staatlichen Neutralität, die Geltung der Grundrechte und des demokratischen Herrschaftssystems mit Ausschluss jeglicher Gewalt- und Willkürherrschaft ist. 

Unser Grundgesetz schützt mit seinen Grundrechten auch Werte, die von jenen der Mehrheitsgesellschaft abweichen. Speziell die Religionsfreiheit erfasst religiöse Inhalte, die von dem abweichen können, was der gesellschaftliche Mainstream unter Religion versteht, so der Verfassungsrechtlicher und eröffnet damit Freiheitsräume, die man eventuell nicht erwartet hat.

Jene, die ein Problem mit Freiheit haben, werden möglicherweise ein Problem mit unserem multireligiösen Staat haben, nicht aber jene, die Freiheit zu schätzen wissen und sie im Rahmen unserer Gesetze auch gerne leben.  

Empfehlenswert 

Helga König

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