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Rezension: Die Fesseln lösen- Wege aus der Opferrolle- Anselm Grün- Vier Türme-Verlag

Der Benediktinermönch Pater Dr. #Anselm_Grün hat ein weiteres, zum Nachdenken anregendes Buch geschrieben. Es trägt den Titel "Die Fesseln lösen- Wege aus der Opferrolle". Wie so oft enthält auch dieses Werk psychologische aber auch spirituelle und biblische Überlegungen im Hinblick auf das fokussierte Thema. Diesmal geht es um Menschen, die wirklich #Opfer geworden sind und als Opfer gewürdigt werden müssen, aber auch um jene, die die #Opferrolle nur einnehmen, um Vorteile zu erzielen, zudem um Täter und die Frage, weshalb sie Opfer geworden sind. Insgesamt geht es um #Verwandlung und #Heilung, damit man wieder frei wird. 

Nach der mehrseitigen Einleitung ist das Werk in sechs Kapitel untergliedert. Anselm Grün lässt seine Leser wissen, dass ihn drei Bücher für das Thema der #Opferrolle sensibilisiert haben. Er nennt #Verena_Kast "Abschied von der Opferrolle", #Pascal_Bruckner "Ich leide so, also bin ich" und Alexander und Margarete #Mitscherlich "Die Unfähigkeit zu trauern". 

Für Anselm Grün sind drei Grundthesen wichtig. Die erste These basiert auf dem Grundsatz des Philosophen #Max_Horkheimer, wonach Täter nicht über ihre Opfer triumphieren dürfen, das heißt konkret zur Rechenschaft gezogen werden müssen und nicht einfach entschuldigt werden dürfen. Die zweite These basiert auf den Gedanken der Mitscherlichs, wonach Unrecht betrauert werden muss, damit man nicht erstarrt und die dritte Grundthese findet ihre Basis in den Gedanken der Schweizer Psychologieprofessorin #Verena_Kast. Ihr geht es darum, dass Opfer, von der Opferrolle Abschied nehmen sollen, wobei sie Opfer von sexuellem Missbrauch ausklammert. Kast möchte diesen Abschied, um zu verhindern, dass das Opfer selbst zum Täter wird und der Kreislauf von Täter und Opfer kein Ende findet. 

Anselm Grün beginnt seine Überlegungen am Beispiel einer Geschichte aus dem Markusevangelium und zeigt auf diese Weise, wie Jesu mit Opfern und Tätern umgegangen ist. Der Benediktinermönch sieht die drei Grundsätze von Horkheimer, Mitscherlich und Kast hier verwirklicht. 

Im zweiten Kapitel, "Opfer und Täter in der modernen Gesellschaft" behandelt  der Autor die drei Grundthesen ausführlicher. Er bezieht sich in erster Linie auf einen Vortrag, den er zur Aufarbeitung der Vergangenheit in Taiwan gehalten hat. Man erfährt hier Näheres zum Buch der Mitscherlichs, die darin hervorheben, dass begangenes Unrecht, das nicht betrauert wird, zu Erstarrung der Gesellschaft führt. #Betrauern heißt durch den Schmerz hindurchgehen, so etwa, dass man sich in Ländern, wo Diktaturen herrschen oder herrschten und viele Menschen gefoltert oder gar getötet werden oder wurden, diese Verbrechen sich wirklich bewusst macht und Mitgefühl entwickelt. Nur so könne man Berührung mit den guten Kräften in der Gesellschaft erlangen. 

Das Verleugnen der Vergangenheit bewirke nach Mitscherlich Sterilität und schränke die Realitätswahrnehmung ein. Wichtig sei: #erinnern, #wiederholen und #durcharbeiten. Erinnern alleine genüge allerdings nicht. Nur dort, wo #Erinnerungsarbeit stattfände, könne Verantwortung für die eigene Vergangenheit übernommen werden und nur dort auch sei authentische Politik möglich. Es geht bei der Vergangenheitsbewältigung um eine versöhnte Gesellschaft, diese aber ist nur möglich, wenn die Schuld benannt worden ist. 

Dass ein Täter nicht über die Opfer triumphieren darf, sagt Max Horkheimer. Doch wenn nicht aufgearbeitet wird, ist das leider oft so. Deshalb kann es dann auch keine Gerechtigkeit geben. #Gerechtigkeit werde problematisch, wenn sie absolut sei. Sie müsse mit Barmherzigkeit verbunden sein, damit sie zum Heil der Gesellschaft und einzelner beitrage. 

Anselm Grün schreibt in diesem Buch u.a. von der Opferrolle im persönlichen Bereich. Hier werden Menschen beispielsweise Opfer von Verletzungen, Verleumdungen, von Mobbing oder irgendwelchen Behauptungen, die jemand ins Internet stellt und mit denen er den Ruf schädigt. Anzunehmen was ist, scheint wichtig zu sein, um es verarbeiten und loslassen zu können. Anselm Grün schreibt von Opfern als Kind, im Studium, am Arbeitsplatz, im Team, in der Partnerschaft, in der Familie, des emotionalen Missbrauchs etc. 

Wer sich als Opfer fühlt, schadet sich nicht selten in der eigenen Entwicklung, wenn er unbewusst  oder unbewusst durch ein Verhalten, dem Täter Schaden zufügen möchte und selbst zum Täter wird. Aus der Opferrolle zu entkommen, heißt auch sich abzugrenzen, heißt zu vergeben, bedeutet bestimmt Schritte zu gehen, die der Autor sehr gut beschreibt. 

Was mir gefällt, ist die Vorstellung eines bestimmten Rituals. Es geht um das Segnen des Täters als Möglichkeit, sich mit der eigenen Kraft zu verbinden vom Täter zu lösen und sich als Opfer nicht mehr zur Verfügung zu stellen. 

Anselm Grün wäre nicht Benediktinermönch, wenn er nicht über Christus im Zusammenhang mit dem  Begriff Opfer sprechen würde. Die Bibel spricht vom Opfer Christi, von dessen Tod, in dem er sich ganz Gott übergeben hat. 

Wir allerdings bräuchten Gott keine Opfer zu bringen, um ihn gnädig zu stimmen. Es genüge, wenn wir uns und anderen gegenüber barmherzig seien. 

Der Autor zeigt biblische Bilder für den Ausstieg aus der Opferrolle. So etwa Joseph, der Opfer des Neids seiner Brüder geworden war. Dann liest man über spirituelle Wege, Abschied von der Opferrolle zu nehmen, die mich persönlich sehr überzeugen. So beispielsweise das  schon erwähnte Segnungsritual, auch davon mit Schuldzuweisungen aufzuhören und wie man mit negativen Gefühlen, Ängsten und Depressionen umgeht. 

Wichtig bei allem ist, dass man seine Fesseln löst, denn Opfer zu bleiben, bedeutet auf Dauer zu infantilisieren. Das kann keiner wollen, der an Persönlichkeitsreifung interessiert ist.

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Die Fesseln lösen. Wege aus der Opferrolle

Rezension: Mit Frieden gewinnt man alles- Papst Franziskus- Herder

Die fruchtbaren Dialoge im vorliegenden Buch finden statt zwischen Papst_Franziskus, dem argentinischen Jesuiten und Sohn italienischer Einwanderer sowie dem französischen Intellektuellen Dominique Wolton, -  er ist promovierter Soziologe und Forschungsdirektor des "Centre national de la recherche Scientifique". 

Nach einer umfangreichen Einleitung sind die Dialoge in acht Kapitel untergliedert. Dabei geht es um die Themen: 

-Frieden und Krieg 
-Religion und Politik 
-Europa geht es schlecht 
-Der Schlüssel zur Kommunikation 
-Die Andersheit, die Zeit und die Freude 
-"Die Barmherzigkeit ist eine Reise vom Herzen zur Hand" 
-"Die Tradition ist eine Bewegung"
-"Manchmal muss man radikal sein" 

In der Einleitung berichtet Dominique Wolton zunächst über das Buch-Projekt und erklärt, weshalb er das Zwiegespräch mit Papst Franziskus gewählt hat. Dieses nämlich lasse eine Öffnung zum anderen hin zu und darüber hinaus einen Austausch von Argumenten sowie die Präsenz des Lesers. Der Dialog schenke der menschlichen Kommunikation Sinn, der über die Performance und die Grenzen der Technologie hinausgehe. 

Der französische Intellektuelle hat für sein Buch einen Blickwinkel gewählt, der sich auf folgende Fragen bezieht: Worin besteht die Eigenart des sozialen und politischen Engagements der Kirche? Was unterscheidet sie von einem politischen Akteur?

Für Wolton ist Papst Franziskus der erste Papst der Globalisierung, ein Papst zwischen Europa und Lateinamerika. 

Die insgesamt 12 Gespräche der beiden fanden zwischen Februar 2016 und Februar 2017 statt. Dabei geht es thematisch um: politische, kulturelle und religiöse Fragen, die die Welt und ihre Gewalt umtreiben. Wolton fasst den Inhalt  des Werks stichpunktartig wie folgt zusammen: den Frieden und den Krieg; die Kirche in der Globalisierung und angesichts der kulturellen Vielfalt; die Religion und die Politik; die Fundamentalismen und der Laizismus; die Beziehungen zwischen Kultur und Kommunikation; Europa als Schauplatz des kulturellen Miteinanders; die Beziehungen zwischen Tradition und Moderne; den interreligiösen Dialog; den Status des Individuums, der Familie, der Sitten und Gesellschaft; die universalistischen Ansätze; die Rolle der Christen in einer von der Rückkehr der Religionen geprägten laizistischen Welt; die Fehlkommunikation und die Besonderheit des religiösen Diskurses. 

Diese Themen sind den oben genannten acht Kapiteln zugeordnet. Dort wurden die Gespräche mit Auszügen aus 16 großen Aussprachen ergänzt, die der Papst seit seiner Wahl am 13.3. 2013 weltweit gehalten hat. Jeweils zwei dieser Aussprachen, die die Zwiegespräche veranschaulichen, finden sich am Ende eines jeden Kapitels. Die Arbeit an dem Buch hat übrigens zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen. 

Wolton betont, dass die Dialogpartner bewusst nicht die politischen und institutionellen Konflikte im Herzen der Kirche eingegangen sind. 

Deutlich wird in den Gesprächen nicht zuletzt, dass die christliche Religion mit ihrer universalistischen Ausrichtung durch Respekt, Würde, Anerkennung, Vertrauen auch im Zentrum des demokratischen Modells den Dialog aufrechtzuerhalten suchen. Es geht um die Kultur der Begegnung, um die Kultur der Kommunikation, es geht darum, Brücken zu schlagen von Mensch zu Mensch und keine Mauern zu ziehen. Damit Grenzen nicht zur Mauer werden, bedarf es der Brücken. 

Ganz zu Ende des Buches kann man noch einige Sentenzen von Papst Franziskus lesen, die sich nicht nur zum Nachdenken eignen, sondern auch zum Twittern anbieten. Eine davon möchte ich hier wiedergeben, weil sie viel über Papst Franziskus aussagt und neugierig auf das Buch macht, um mehr von diesem klugen Menschen mit ungeheurer Herzensbildung zu erfahren:

"Meine Lieblingswörter? Freude, Zärtlichkeit, Nähe, Staunen, Verwunderung."

Maximal empfehlenswert. 

Helga König Im Fachhandel erhältlich 

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"Mit Frieden gewinnt man alles": Im Gespräch mit Dominique Wolton über Politik und Gesellschaft

Rezension: Geschwisterbande- Eine besondere Beziehung- Anselm Grün- Vier Türme Verlag

P. Dr. Anselm Grün OSB befasst sich in seinem neuen Werk mit dem Thema Geschwister. In den Führungsseminaren, die er hält, hat er nämlich in Gesprächen erkannt, dass die Beziehung zu den Geschwistern sich auf die Beziehungen zu Mitarbeitern im Betrieb, zu den Chefs und den Kollegen im Führungsgremium auswirken. Nicht selten hängen Konflikte mit den Mitarbeitern mit nicht gelösten Konflikten zwischen Geschwistern zusammen. 

So ist es beispielsweise unmöglich, Empathie zu den Mitarbeitern zu entwickeln, wenn man diese zu seinen Geschwistern nicht hatte. Ein gutes Miteinander unter den Geschwistern wird durch Rivalitäten gestört. Nicht immer stützen sich Geschwister gegenseitig und fühlen sich durch die Familie getragen. Die Konstellationen können vielschichtig sein. 

Darüber liest man Wissenswertes im diesen Buch. Anselm Grün möchte hier in erster Linie bei Geschwistern die Sehnsucht nach eine guten Beziehung wecken und all denen, die an ihren Geschwisterkonflikten leiden, einen Weg aufzeigen wie sie mit schwierigen Beziehungen am besten umgehen können. 

Der Autor lässt den Leser nicht im Ungewissen, dass er auf eine psychologische Analyse der Geschwisterkonflikte verzichtet, wohl aber psychologische Erkenntnisse einfließen lässt.

Im Rahmen von neun Kapiteln wird man mit Geschwisterbanden vertraut gemacht und da Anselm Grün ein Benediktinermönch ist, erfährt man zunächst Geschwister-Geschichten aus der Bibel. 

Im zweiten Kapitel dann reflektiert er ein gelingendes Leben, das für ihn der Ausdruck von Glück ist. Dabei ist Glück für ihn, im Einklang mit sich selbst zu sein, mit seiner Seele, seinem innersten Wesen. Zudem gehört zum Glück, dass man geliebt und wertgeschätzt, d.h. von lieben Menschen getragen wird. 

Anselm Grün zeigt fünf Sehnsüchte nach einem gelingenden Leben auf. Um diesen Sehnsüchten nachzukommen, sollen geschwisterliche Erfahrungen eine große Hilfe sein. Man liest, was Eltern tun können, damit Geschwister sich vertragen, um anschließend mehr über geschwisterliche Konstellationen zu erfahren und welche Langzeitfolgen diese haben. 

Auch Erbstreitigkeiten bleiben im Aufzeigen der Gesamtproblematik nicht ausgespart, um schließlich die Voraussetzungen für ein Gelingen von Geschwisterlichkeit zu verdeutlichen. Dabei handelt es sich um Dankbarkeit und Demut. 

Damit ein Miteinander gelingt, müsse sich jeder Einzelne mit seiner Vergangenheit aussöhnen und sich selbst auf den Weg der Wandlung machen. 

Anselm Grün schenkt in diesem Buch seelsorgerischen Rat, um familiäre Probleme bewältigen zu können, die sich mitunter über viele Jahrzehnte aufgebaut haben.

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Geschwisterbande: Eine ganz besondere Beziehung

Rezension: Helga König: Du kannst vertrauen- Worte der Zuversicht in Zeiten der Krankheit- Anselm Grün- Vier Türme Verlag

Dieses Buch des Benediktinermönchs Anselm Grün wendet sich an Kranke aber auch an Menschen, die Kranke pflegen und begleiten. Dabei geht es Anselm Grün darum, Krankheiten zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Darüber hinaus lädt das Werk dazu ein, sich über den Sinn einer Krankheit Gedanken zu machen und auch über die Erfahrungen, die ein jeder mit ihnen macht, nachzudenken.

Das Buch ist in drei Abschnitte untergliedert: 

1. Die Deutung der Krankheit 
2. Der Umgang mit der Krankheit
3. Die Begleitung kranker Menschen 

Anselm Grün bringt  u.a. psychologische Deutungen von Krankheit zur Sprache. In diesem Zusammenhang auch erwähnt er die Gürtelrose, die stets ein Hinweis darauf ist, dass der Körper uns darauf hinweist, von Menschen oder Dingen Abstand zu nehmen. 

Nicht sehr klug und einfühlsam ist es, einen Kranken darauf aufmerksam zu machen, dass er für seine Krankheit selbst verantwortlich sei, weil man hierdurch Schuldgefühle vermitteln würde und den Krankheitszustand dadurch verschlimmere. Anselm Grün präferiert bei den Deutungen von Krankheiten das finale Deutungsmodell von C.G. Jung. Hier fragt die Krankheit  "Welchen Impuls gibst Du mir für die Zukunft?" Hier geht es darum, die Krankheit anzunehmen und zukünftig bewusster vor allem achtsamer zu leben und auch darum, manches zu verändern. 

Krankheiten lasse uns unsere Endlichkeit begreifen und in der Krankheit werde deutlich wie weit uns unsere Spiritualität geprägt hat. Für den Schriftsteller Andre Gide ist Krankheit der Schlüssel, der eine Tür aufschließt zum Geheimnis des Menschseins. 

In uns, so der Benediktinermönch, gibt es einen Ort der Stille, wo keine Krankheit Platz findet. Dort nämlich ist das ursprüngliche Bild Gottes von uns verankert. Man liest in der Folge von biblischen Deutungen über Krankheit. Dabei ist ein wichtiger Grundsatz christlicher Deutung "Wenn ich meine Vorstellung von mir, vom Leben und von Gott zerbrechen lasse, werde ich aufgebrochen für mein wahres Selbst, für die neuen Möglichkeiten des Lebens und für den unbegreiflichen Gott. Wenn ich an meinen Vorstellungen festhalte, werde ich gegen mich, gegen Gott und das Leben rebellieren und alle anklagen, dass sie an meiner Krankheit schuld sind."

Im 2. Abschnitt werden biblische Impulse für den Umgang mit der Krankheit gegeben, so etwa am Beispiel der Heilung des Aussätzigen. Zudem wird gezeigt, wie man spirituell mit Krankheit umgeht und die Aggressivität, die Krankheit auslöst, in gesunden Kampfgeist verwandelt. 

Auch über den spirituellen Umgang mit Schmerz liest man und kann sich in Meditationen für kranke Menschen vertiefen. Für einen Kranken zu beten, ist wichtig, nicht nur für jene, die kranke Menschen begleiten. Wie diese Begleitung ausschaut, liest man im 3. Abschnitt. Hier und in den dann folgenden Abschlusstexten wird nochmals deutlich, dass das Buch helfen soll sich geistig und auch praktisch durch Rituale und Meditationen mit Krankheit auseinanderzusetzen, sie akzeptieren zu lernen und damit zu leben. 

Empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich.

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Du kannst vertrauen. Worte der Zuversicht in Zeiten der Krankheit

Rezension: Die Gutenberg- Bibel von 1454- Faksimile –Ausgabe Band 1 +2

Bei TASCHEN kann man seit diesem Jahr die Gutenberg- Bibel von 1454- Faksimile –Ausgabe Band 1 +2 erwerben. In der handlichen Tragebox enthalten ist zudem der Kommentar zu Leben und Werk von Johannes Gutenberg zum Bibeldruck, den Besonderheiten des Göttinger Exemplars, dem "Göttinger Musterbuch" und dem "Helmaspergerschen Notariatsinstrument."

Im Vorwort zum Kommentar erfährt man sogleich, dass sich 2018 zum 550. Male der Todestag von Johannes Gutenberg jährt. Er war der Erfinder des Satzes und Druckes mit beweglichen Einzellettern und gilt als Vater der Massenkommunikation. Dabei war das erste gedruckte Buch von Bedeutung aus der Mainzer Werkstatt die lateinische Bibel, die Vulgata. Sie wurde in einer Auflage von 180 Exemplaren gedruckt. Entstanden sind diese Exemplare mit Hilfe des Angestellten Peter Schöffer, des Geldgebers Johannes Fust und etwa 20 weiterer Mitarbeiter. 49 nahezu vollständige Exemplare davon haben sich erhalten. 

Man erfährt in der Folge Wissenswertes zum Leben und Werk Johannes Gutenbergs, um dann Näheres zur Gutenberg-Bibel zu lesen und hier zunächst zu dem Text dieser Bibel, die sich als Vorlage die aus dem 4. Jahrhundert stammende allgemein akzeptierte ("vulgata") Bibelübersetzung des heiligen Hieronymus als Basis für die theologische Disputation verwendete Überarbeitung aus dem 13. Jahrhundert in einer rheinischen Textvariante wählte. 

Man erfährt im Kommentar auch etwas zu den Lesearten und Korrekturen in der Gutenbergbibel, speziell im hier vorliegenden Göttinger Exemplar, auch zu Technikgeschichte sowie zum Schriftsystem u.a. mehr. 

Das Göttinger Exemplar und dessen Provenienzgeschichte werden thematisiert, des Weiteren auch wie bereits erwähnt das Helmarspergersche Notariatsinstrument. Dabei handelt es sich neben den zumeist nur in Abschrift vorhandenen Akten aus Straßburg um das Wichtigste im Original erhaltene Zeugnis der Lebens- und Wirkungsgeschichte Gutenbergs. Es wird hier faksimilisiert, transkribiert, ins Neuhochdeutsche übertragen und interpretiert. Auch über das Göttinger Musterbuch kann man sich informieren, liest zu den Themen des Buchs und kann sich in Muster vertiefen, die sich in Band 1+2 wiederfinden. 

Für Liebhaber von Faksimile-Ausgaben bedeutender Bücher sind die beiden Bände eine wahre Freude. Wer die Bücher lesen möchte und der lateinischen Sprache kundig ist, wird sich dennoch etwas schwer tun, weil er sich zunächst in das Schriftbild einfinden muss. 

Eine Bereicherung für jede gute Privatbibliothek.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Die Gutenberg Bibel von 1454 - Faksimile-Ausgabe: Zwei Bände mit Begleitheft

Rezension: Freut euch und jubelt- Papst Franziskus- Herder

Die Heiligkeit, von der Papst Franziskus in seinem Buch spricht, hat viel mit Freude zu tun. "Freut euch und jubelt" ist ein Zitat von Jesus und steht am Ende der biblischen Seligpreisungen. Papst Franziskus setzt es ein, um gleich zu Beginn zu erläutern, was Heiligkeit aus seiner Sicht ist: "Freude" nämlich oder anders formuliert "Glück". 

Franziskus geht es offenbar um eine Demokratisierung des Heiligkeitsbegriffes, weil er das Glück aller anstrebt. Dabei ist der Weg zum Glück des Gläubigen steinig und sehr anspruchsvoll. Das wird im zweiten Kapitel deutlich, wo er vor den elitären Vorstellungen von Heiligkeit warnt. Zur Heiligkeit gehöre der Wille zur Demut. 

Im dritten Kapitel dann analysiert der Papst aus Argentinien was Glück, Seligsein und Heiligkeit im Licht des Evangeliums bedeutet. Es hat immer auch etwas mit Mitgefühl und praktiziertem Christentum zu tun. Zudem mit einer inneren Einstellung, zu der Gebet, Gemeinschaft und auch Freude und Sinn für Humor gehören. 

Um heilig zu werden, muss man das Leben der Notleidenden teilen, das Leben von Aposteln führen. Es ist deshalb notwendig, gütig, sanftmütig und demütig zu sein,  weil die Freude, um die es Papst Franziskus geht, genau daraus erwächst. 

Wie das katholische Kirchenoberhaupt festhält, möchte die Welt nicht trauern, ignoriert leidvolle Situationen der Mitmenschen, verdeckt oder versteckt sie. Menschen, die die Dinge so sehen, wie sie tatsächlich sind, lassen sich von allem berühren, sind fähig zu trauern, lassen sich  von der Tiefe des Lebens tangieren und sind von daher auch in der Lage glücklich zu sein. 

Für Papst Franziskus gilt, "Mit anderen zu trauern wissen, das ist Heiligkeit". Doch heilig ist auch voller Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit zu suchen und barmherzig zu sein. Sein Herz rein zu halten und zu lieben, vor allem auch Frieden zu stiften, ist ebenfalls heilig. Es sind die Friedfertigen, so der Papst, die die Quelle des Friedens sind. Sie sind es, die Frieden und soziale Freundschaft aufbauen."Um uns herum Frieden zu säen, das ist Heiligkeit."

Der Gerechtigkeit zu dienen, auch das ist heilig, kurzum ein anständiger, tugendhafter Mensch zu sein, der geduldig und sanftmütig ist und über Durchhaltevermögen verfügt. Freude und Sinn für Humor zu besitzen und sich positiv in die Gemeinschaft einzubringen, auch das ist heilig. 

Man muss wachsam sein, sich seiner Schwächen und den eigenen Lastern bewusst werden und sie überwinden, denn dadurch überwindet man das Böse in der Welt, das die Quelle aller Freudlosigkeit ist. 

Ein sehr empfehlenswertes Buch. 

Helga König

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Freut euch und jubelt. Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute

Rezension: Die Sakramente- Anselm Grün -Vier Türme Verlag

In diesem Sammelband erläutert der Benediktinermönch Pater Anselm Grün den tieferen Sinn der Sakramente und der vielen Symbole, die für deren Feier eine Bedeutung haben. 

Zur Sprache gebracht werden die Taufe, die Eucharistie, die Firmung, die Trauung, die Beichte, die Salbung der Kranken und die Weihe. 

Die Taufe sei etwas genuin Christliches, obschon es auch in anderen Religionen Waschungsrituale gibt. Durch die Taufe soll das Kind mit der wahren Quelle des Lebens in Berührung kommen. Die Taufe sei ein Sakrament, d.h. eine Weihehandlung, durch die sich der Täufling an Christus bindet. Man erfährt u.a. mehr über das Taufwasser, das nicht zuletzt auch ein Bild für die geistige Fruchtbarkeit ist. Doch das Taufwasser, das vom Heiligen Geist befruchtet ist, wird auch als heiliger Schoß verstanden, aus dem die Menschen wiedergeboren werden. Dabei beschreibt das Bild der Wiedergeburt einen wesentlichen Aspekt der Taufe. Diese Wiedergeburt aus dem Geist schenkt dem Täufling die Freiheit. 

Doch es gibt noch andere Bilder der Taufe, so etwa das der Salbung. Während der Taufe nämlich wird der Täufling zweimal gesalbt. Dabei haben die beiden Salböle auch eine bestimmte Bedeutung. Bedeutung auch hat die Taufkerze und das weiße Gewand, sprich das Taufkleid. Dies und vieles mehr und darüber hinaus Näheres zu Gestaltung der Tauffeier machen dem Leser bewusst, worum es bei der Taufe geht: Nicht zuletzt um die Absage an das Böse. Die Erinnerung an die eigene Taufe könnte uns helfen, so Pater Anselm, uns unserer christlichen Identität bewusst zu werden. Sie könnte ein konkreter Weg sein, uns täglich neu das Wesen unseres Glaubens und Lebens zu erschließen. 

Ähnlich wie die Taufe, werden auch die weiteren  Sakramente sehr differenziert beleuchtet und reflektiert. Besonders lesenswert sind die Überlegungen zum Sakrament der Ehe. Hier erfährt man zunächst etwas zu den Wortbedeutungen von Ehe, Heirat, Hochzeit und Trauung, dem Ja-Wort und anderem mehr. In diesem Sakrament geht es um die Liebe, auch darum, im Blick des anderen den göttlichen Liebesblick zu erahnen, denn so bleibe die Liebe lebendig, so könne man die Liebe des anderen als unverdientes Geschenk begreifen. In der Liebe berühre man das unendliche Geheimnis Gottes, so Pater Anselm. Man liest  zudem auch Wissenswertes über die Unauflöslichkeit der Ehe, der der Gedanke zugrunde liegt, dass die Ehe Gottes Gnade entspringt, aus der ein Miteinander auf Dauer erst überhaupt möglich werde.

Interessant sind die Seiten des Kapitels "Die Kunst als Paar zu leben" Pater Anselm hält fest, dass Eheleute ihr Haus dann auf festen Grund bauen, wenn sie bereit sind, die eigene und fremde Realität immer wieder von neuem anzuschauen und sie so anzunehmen wie sie ist. 

Es führt zu weit, hier alles, was das Buch zur spannenden Lektüre macht, wiederzugeben. Gewiss ist, dass die Reflektionen über die Beichte- es handelt sich dabei um die Feier der Versöhnung, viel  Stoff zum Nachdenken schenken.  Aus  der Versöhnung heraus zu leben, kann gewiss kein Fehler sein und lässt uns sicher friedfertiger handeln als wir es mit unversöhnlichem Herzen  zu tun vermögen. 

In Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

 Helga König

Überall im Handel erhältlich
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Die Sakramente: Taufe, Eucharistie, Firmung, Trauung, Weihe, Beichte und Krankensalbung (Edition Anselm Grün)

Rezension: Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen- Anselm Grün- Vier- Türme-Verlag

Der Autor dieses  aufschlussreichen Buches ist Pater Dr. Anselm Grün. Er ist Mönch der Abtei Münsterschwarzach und der bekannteste spirituelle Autor in Deutschland.  Er  möchte in seinem Werk das Thema des Fremdseins einmal von der Geschichte, der Psychologie und vom Glauben her betrachten. 

Wie Pater Anselm gleich zu Beginn des Buches festhält, ist die Angst vieler Menschen hierzulande keineswegs in der hohen Zahl der Flüchtlinge und Fremden bei uns begründet, sondern stattdessen in der eigenen Verunsicherung. Im Umgang mit dem Fremden entdecken sie, dass sie ihre eigene Identität verloren haben. 

Wichtig ist deshalb, sich die Lebensgeschichte derjenigen anzuschauen, die die Fremden ablehnen und im Falle vor der Angst einer Islamisierung zu überprüfen, wie es sich mit deren eigenen christlichen Wurzeln verhält. 

Anselm Grün reflektiert zunächst die Erfahrungen des Fremdseins in der griechischen und römischen Kultur und in der jüdisch-christlichen Tradition. In der griechischen und römischen aber auch in der germanischen Kultur gibt es eine Ambivalenz des Fremden. Dabei ist der Fremde der, der nicht zur Gruppe gehört. Dieser Fremde ist stets andersartig, sei es in seinen Sitten oder seinem Aussehen.

Reaktion auf das Fremdsein war in der Antike Gunst oder Feindseligkeit. Die Völker, die für sich beanspruchen, die Kultur des Abendlandes zu repräsentieren, rangen sich stets zu einer positiven Haltung den Fremden gegenüber durch und haben durch die Integration der Fremden etwas für die eigene Gesellschaft gewonnen. Nicht zuletzt bestand ein großer Teil der Bildungsschicht in Athen aus Fremden und die Römer gar versuchten aus vielen Fremden ein einheitliches Reich zu schaffen. 

Die christliche Tradition mahnt uns,  den Fremden gut zu behandeln und aufzunehmen. Dabei bewahrheitet sich gerade unsere christliche Nächstenliebe in der Aufnahme der Fremden. Wie Pater Anselm schreibt, hat das Kloster Münsterschwarzach 38 Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea aufgenommen. Die Mönche haben die Fremden als Bereicherung empfunden und sehr viel Freude durch die Gastfreundschaft  geschenkt bekommen. 

Wenn Geflüchtete mit Fremdenhass konfrontiert werden, fühlen sie sich, wie Pater Anselm festhält, als rechtlose Fremde, die keine Gastfreundschaft erfahren, sondern Ablehnung. Dadurch verstärke sich die Wunde, die sie durch die Flucht auf sich genommen haben. Der Autor unterstreicht, dass es großherzige Gastfreundschaft und Gespräche sind, die Geflüchtete brauchen, damit sie sich verstanden und angenommen fühlen. Dabei muss uns allen klar sein, dass viele Flüchtlinge traumatisiert sind und nicht "normal" reagieren können. 

Sehr erkenntnisfördernd ist das Kapitel "Psychologische Einsichten: Die Begegnung mit dem Fremden". Hier bezieht sich der Autor öfter auf die Psychologen Arno Gruen, C. G. Jung und Verena Kast. Gruen konstatiert, dass Menschen, die das Eigene verachten, nicht fähig sind zur Empathie und zwar weder sich selbst noch anderen gegenüber. Die Ablehnung des Eigenen und der Hass auf das Eigene führe bereits in der Kindheit dazu, dass der Mensch seinen Hass nach außen wendet. So benötige er den Fremden als Feind, um seine eigene Identität zu finden. Wer als Kind das Eigene verleugnen musste, ersetze seine Identität durch Leistung und Anerkennung sowie seine soziale Rolle und verliere den Zugang zum anderen. 

Man erfährt Näheres auch zum Schattenmodell von C. G. Jung. Wer seine Minderwertigkeitsgefühle verdränge, lebt sie aus, indem er andere kleinmacht und erniedrigt. Fremdenhass hat also viel mit eigenem, verdrängtem Minderwertigkeitsgefühl zu tun. 

Das Fremde in uns einzugemeinden, es zu integrieren, wandelt uns und stärkt uns auch.  Das sollte uns bewusst werden.

Wichtig ist, sich mit den Grundängsten menschlicher Existenz auseinanderzusetzen und zu lernen, uns von den Ängsten hin, ins Vertrauen in das Leben führen zu lassen. 

Die Heilung der Fremdenangst geschieht durch Integration, lässt uns Anselm Grün wissen. Dabei ist es wichtig, seine Empathie zu erhöhen durch bestimmte Maßnahmen, die im Buch genannt werden. Bei allem ist es notwendig, den inneren Schatten anzunehmen und die Gegensätze in sich zu umarmen, wenn man sich der Angst vor dem Fremden entledigen möchte. 

Was noch? Der Autor schreibt u.a. auch über die Gastfreundschaft im Christentum. Hier wird  der Gast gewissermaßen zum Arzt des Gastgebers. Auch der heilige Benedikt hat sich in seinen Regeln zur Aufnahme der Gäste geäußert. Er möchte, dass man den Gästen mit großer Achtung begegnet, aber zugleich, will er die Abgeschiedenheit des klösterlichen Lebens schützen. Dies gelingt den Benediktinern. Sie nehmen die Fremden auf, ohne ihre Identität zu verlieren. Genau das Modell wäre interessant für die heutige Gesellschaft. 

Der Autor reflektiert in der Folge  dann die Entwicklung einer Fremdenethik und in diesem Zusammenhang den Dialog der Religionen. Wichtig ist und dies macht das Buch deutlich, dass man sich seiner eigenen Identität bewusst werden muss, um offen auf Fremde zuzugehen. Dies zu erkennen hilft, das vorliegende Buch. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

Überall im Fachhandel erhältlich 

Rezension: Vom Ich zum Du – Für sich und andere sorgen- Anselm Grün- Köselverlag

Der Benediktinermönch P. Dr. Anselm Grün hat im Kösel-Verlag ein sehr bemerkenswertes Buch auf den Weg gebracht, in dem er sich mit dem Phänomen der Sorge sehr vielschichtig auseinandersetzt.

Gleich zu Beginn reflektiert er diesen philosophischen Begriff bei Heidegger. Bei diesem Philosophen geht es um die Sorge um sich selbst. Das Du spielt hierbei kaum eine Rolle. Für Dr. Anselm Grün hingegen geht es primär um die Sorge anderen gegenüber. Für ihn ist die Sorge ein Ausdruck der Liebe. Dabei bleibt die Liebe ohne Sorge für ihn nur Gefühl. Viele biblische Geschichten erzählen von der Sorge um andere, die uns hilft von unserem Ego frei zu kommen und den Weg zum Du zu finden. Anders als bei Heidegger wird Sorge hier zumeist als Fürsorge verstanden. Das Wesen der Sorge ist in diesem Fall darin begründet, dass man das Kreisen um sich selbst aufgibt und sich für und um den anderen sorgt.

Der Autor zeigt am Beispiel von Kain und Abel, was dies zu bedeuten hat. Es geht  vor allem um Verantwortung. In dieser hat man nämlich den anderen im Blick und zwar ganz konkret. Kain hatte diesen Blick verloren, weil sein Blick um seine persönliche Anerkennung kreiste.

Anselm Grün möchte in seinem Werk vor allem die positive Sorge der Verantwortung überdenken. Er möchte all die Menschen würdigen, die sich um andere Menschen sorgen. Er möchte sorgfältig mit dem Begriff "Sorge" umgehen und betrachten, welche Rolle die Sorge im Zusammenleben mit anderen, aber auch im Umgang mit dem Augenblick und der Zukunft spielen kann. Deshalb auch überdenkt er die Sorge bei konkreter Not, für Kinder, für Eltern, für die Familie, für Gäste, für sich selbst, für die Schöpfung.

Mittels sehr guter Rituale zeigt er, wie man mit der jeweiligen Sorge verfahren kann, ohne  das Du mit dieser Sorge zu dominieren. Auch für die Sorge um sich selbst gibt es ein sehr schönes Ritual, das dazu verhilft, sich zu entspannen.

Über Seelsorge schreibt Anselm Grün ebenfalls. Darunter versteht er, dass man gut auf die Seele anderer hört. Es bedeutet u.a.  sich für  die kranke Seele zu sorgen, wobei der Seelsorger nicht als Therapeut wirkt.

Seine Sorgen Gott im Rahmen eines Gebetes hinzuhalten, hilft ebenso wie das Bewusstsein, dass er uns nicht im Stich lässt. Wie Anselm Grün weiß, werden dort, wo Gott ist, sich negative Sorgen auflösen. Dort werden wir nicht mehr beherrscht von den Sorgen um andere, aber auch nicht von unseren Bedürfnissen oder Erwartungen anderer Menschen. Dort sind wir wahrhaft frei, so der Benediktinermönch, frei auch von unseren Ängsten, weil wir sicher sein können, dass Gott für uns sorgt. Wenn dies geschieht, sind wir frei, uns für die Menschen in Liebe zu sorgen.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Vom Ich zum Du: Für sich und andere sorgen

Rezension: Es leuchtet der Stern- Ein Begleiter durch die Advents- und Weihnachtszeit- Vier- Türme- Verlag

Autor dieses wunderbaren lebensphilosophischen Buches ist der Mönch Pater Zacharias Heyes. Er lebt in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach und arbeitet als Notfallseelsorger und geistlicher Begleiter im Recollectio-Haus und im Gästehaus der Abtei. 

Im Vorwort schreibt Pater Zacharias, den Buchtitel erläuternd, dass mit der Verheißung "Es leuchtet der Stern" die drei Weisen aus dem Morgenland aufgebrochen sind, als sie den Stern aufgehen sahen. Die sternkundigen Weisen wussten, dass dieser Stern die Geburt eines besonderen Menschen anzeigte. Der Stern, der ihnen vorauszog, vermochte offenbar die Sehnsucht in ihnen zu wecken nach einem Leben, das Sinn habe und in einem größeren Ganzen eingeordnet sei, so der Autor.

Pater Zacharias begab sich 1999 nach einem Besuch in Münsterschwarzach und einem Gespräch mit dem heutigen Abt Michael auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela, um sich über seinen weiteren Lebensweg klar zu werden. Hierbei folgte er seinem Stern, der ihm den Weg zu seinem Sehnsuchtsort wies. 

Der Benediktinermönch ist sich sicher, das jedem Mensch ein Lebensstern leuchtet und ihn begleitet auf seinem Lebensweg. Mit seinen Texten und Impulsen, möchte Pater Zacharias bewirken, dass die Leser sich von diesem Stern führen lassen, keineswegs nur durch die Advents- und Weihnachtszeit.

An jedem Tag des Monats Dezember hat man Gelegenheit einen dieser lebensphilosophischen, teilweise sehr persönliche Texte zu lesen und erhält im Anschluss jeweils Denkimpulse, die dabei helfen aus alten Denkmustern auszusteigen und Neues- seinem persönlichen Sehnsuchtsstern folgend- zu beginnen. Dabei sei das Entscheidende die Reise im oder zum eigenen Herzen- neu aufzubrechen zum Mensch-Sein, zur Menschwerdung. 

Es geht darum, zu hinterfragen, welches Lebensgepäck notwendig ist für die Reise und was man zurücklassen sollte. Der Autor reflektiert die Sehnsucht, die jeder Mensch in sich trägt. Sie sei der erste Pilgerführer für den Weg – den Herzensweg. Man möge auf die Lichtzeichen, sprich die Leuchtmomente achten, die eigene Wahrnehmung dafür schulen und alles, was sie zudeckt oder überdeckt aufräumen, aus dem Weg räumen, um sich alsdann neu auf den Weg zu begeben. Dabei können die Zeichen der Sehnsucht unser derzeitiges Leben in Frage stellen und die Leuchtzeichen uns herausrufen aus dem jetzigen Sein. 

Man möge der Kühnheit seines Herzen trauen, die uns herausrufe aus der Trägheit, Alltäglichkeit und der materiellen Fixierung.

Pater Zacharias denkt auch über Umwege nach  sowie über Muster, die sich im Leben immer wiederholen  und sucht nach den Gründen hierfür. 

Immer wieder erzählt der Autor von seinen Erfahrungen auf dem Pilgerweg  als auch  von den lebensphilosophischen Erkenntnissen, die ihm diese Pilgereise schenkte und lässt den Leser zudem an den Fragen teilhaben, die sich ihm stellten. 

Fragen wie etwa: "Was hält dich tief von innen? Welcher Traum, welches Ziel?"

oder: 

"Wenn Du wüsstet, dass du noch einen Tag zu leben hast, was würdest du unbedingt noch tun wollen? Wen würdest du um Verzeihung bitten, bei wem würdest du dich entschuldigen, wem würdest du Danke sagen und wem gegenüber deine Liebe und Zuneigung ausdrücken?"

bedürfen vielleicht langen Nachdenkens, doch ihre aufrichtige Beantwortung  kann Veränderung und damit etwas Neues einleiten. 

"In welchen Gewohnheiten steckst du fest- im Wissen, dass sie dir eigentlich nicht guttun?"

Impulse zum Nachdenken gibt es in diesem Buch zuhauf. Der dadurch bewirkte gedankliche Weg in der Adventszeit endet nicht am Heiligen Abend, sondern führt hinein in das kommende Jahr, in dem wir uns dann alle bemühen sollten, unser Potential zu leben. Vielleicht helfen Rituale dabei, die  Last der Vergangenheit im alten Jahr zurückzulassen, um seinem Stern folgend, seine Gaben sinnstiftend in nächsten Jahr zu leben.  Pater Zacharias hat es ausprobiert und zeigt wie das geht.

Ein wunderbares Buch, das mich von seinem Grundgedanken an das Gedicht "Stufen" von Hermann  Hesse erinnert, das mit den Worten endet:. 

"Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden, 
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!"

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Es leuchtet der Stern: Ein Begleiter durch die Advents- und Weihnachtszeit