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Rezension:Das Buch der Heiligen: Ein Schutzpatron für jeden Tag (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch birgt eine Fülle Abbildungen von Gemälden und Kunstschätzen und befasst sich in Hunderten von kleinen Texten mit Schutzpatronen für jeden Tag. Der Bildband ist chronologisch nach Monaten geordnet. Im Rahmen eines Vorwortes erfährt der Leser, was man unter einem Heiligen zu verstehen hat und welche Bedeutung sich hinter dem Begriff Hagiografie verbirgt. Über die Wege zur Heiligkeit wird man in Kenntnis gesetzt und auch über Verehrung, Selig- und Heiligsprechung. Im vorliegenden Buch haben die Autoren all jene Personen (Heilige, Selige und andere, die sich in herausragender Weise um den christlichen Glauben verdient gemacht haben) berücksichtigt, die im Allgemeinen Römischen Kalender, im Lektionar der Anglikanischen Kirche und im Liturgischen Kalender der Diözesen der Vereinigten Staaten von Amerika zu finden sind. Zudem werden im Vorwort Abkürzungen und Symbole näher erläutert.


Für mich als Katholikin haben Heilige seit meiner Kindheit eine große Bedeutung, denn viele von ihnen waren Märtyrer und damit sehr mutige Menschen, die ihre Liebe zu Gott, der sich bekanntermaßen als die reine Liebe offenbart, durch Taten verdeutlichten und von der Liebe auch dann nicht abließen, wenn ihnen extreme Nachteile, körperliche Qual oder der Tod drohten.

Es ist natürlich unmöglich über jeden Schutzpatron, der im Buch aufgeführt ist, in der Rezension Stellung zu nehmen. Es sind die Lebensgeschichten, die so faszinierend sind. Schutzheiliger für Menschen, die am 20. Januar geboren sind, ist beispielsweise der Märtyrer Sebastian, der von unzähligen Pfeilen durchbohrt von der Heiligen Irene, der Ehefrau des Märtyrers Castulus geheilt wurde. Sebastian hatte christlichen Märtyrern beigestanden und wurde dafür bestraft. Gezeigt wird der Hl. Sebastian im Buch in einer Darstellung durch Andrea Mantegna. Was mich an dieser Geschichte fasziniert, ist die Hilfsbereitschaft, der Mut und die Liebe, durchdie sich Menschen, wie Sebastian und Irene auszeichnen.

Berührt hat mich die Geschichte des Fidelis von Sigmaringen, der nach seinem Studium der Philosophie und des Zivil- und Kirchenrechts in Freiburg 1610 dem Kapuzinerorden beitrat. Fidelis versuchte im Elsass, der Schweiz und in Österreich Protestanten zum Katholizismus zurückzuführen und wurde von Anhängern Zwinglis ermordet. Gottlob bin ich nicht am 24.4. geboren, denn Fidelis ist in meinen Augen kein Vorbild. Es mangelte ihm an Toleranz.

Mein Schutzheiliger ist der Pole Albert Chmielowski, der im Alter von 17 Jahren ein Bein verlor. Der Maler gründete 1887 den Orden der Albertiner, den es heute immer noch gibt in Polen. Sein Leben widmete er der Nächstenliebe. Was man von ihm lernen kann, ist Demut und zu begreifen, dass der eigene Schmerz nicht so wichtig ist, wenn mann sich dem fremden Schmerz annimmt und täglich etwas für andere tut.

Ein Lieblingsheiliger ist Thomas Morus, Schutzpatron, für alle, die am 22. Juni geboren sind. Morus ist einer meiner Lieblingsmenschen, weil er Märtyrer der Gewissensfreiheit war. Heinrich VIII. ließ ihn ermorden. Nicht unerwähnt bleibt, dass Morus ein großer Gegner der Reformation war und das Luthertum "das verpestende und verderbliche Gift" nannte. Morus war ein Kind seiner Zeit, man muss ihm solche Sätze heute verzeihen und ihn an seiner Lebensleistung messen. Angeklagt war Morus, weil er keine eindeutige Stellung bezüglich Heinrichs VIII. als Oberhaupt der Kirche von England bezog und auf diese Weise seinem Gewissen treu blieb.
Am 30. Juni wird man ausführlich über die ersten Märtyrer von Rom aufgeklärt. Damals wurden Hunderte von Christen gefangenen genommen und auf grausamste Art hingerichtet und gefoltert, (siehe Seite 66-67). Man liest von Reliquien, die neben den Gräbern der Heiligen beliebte Wallfahrtsziele sind, von der Ausbreitung des Jakobuskultes, von Franz und von Clara von Assisi, die ihr Leben der Askese und Armut widmeten, von Mutter Teresa, von Hildegard von Bingen und vielen anderen mehr.

Am Geburtstag Oscar Wildes sind zwei Schutzheilige aufgeführt. Es handelt sich um die Briten Hugh Latimer und Nicholas Ridley. Beide Protestanten wurden in Oxford hingerichtet. Ridley soll ungewöhnlich lange Todesqualen erlitten haben. Auch Oscar Wilde litt im Gefängnis unsäglich. Konnten ihm seine Schutzpatrone helfen? Wir wissen es nicht. Vielleicht gaben sie ihm die Kraft, die Hölle des Gefängnisses zu überstehen. Fast scheint es so.
Auf den letzten Seiten kann man viele Informationen dem Glossar der Embleme, Symbole und Attribute sowie der Zuständigkeiten als auch dem Begriffsglossar entnehmen.

Ein gelungenes Buch, das mich sehr beeindruckt und mich motiviert hat, mich in einige Lebensgeschichten der aufgeführten Personen durch weiterführende Literatur zu vertiefen. 

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