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Rezension:Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung- E. Tolle

Folgt man den Gedanken Eckart Tolles so liegen die Hauptursachen für Unglück und Leid eines jeden Individuums, aber auch der Menschheit im Ganzen im Unvermögen, sich ausschließlich auf das Jetzt zu konzentrieren und in der Tatsache dem eigenen Ego zuviel Raum zu geben.

Bereits vor 2500 Jahren haben alte Weisheitslehrer auf die Folgen der Gestörtheit des Egogeistes hingewiesen, die heute so weit gediehen sind, dass sie das Überleben der Erde in Frage stellen. Wir sind alle klug beraten, wenn wir uns völlig umorientieren. Möglich ist dies allerdings nur durch einen Erkenntnisprozess, der weit über die üblichen intellektuellen Dimensionen hinausgeht. Wie schafft man es, alten Egodenkmustern den Rücken zu kehren und sich neuen Bewusstseindimensionen zu öffnen?

Man muss begreifen, dass man gegenüber der Wirklichkeit und dem Wunder des Lebens abstumpft, wenn man Dinge, Menschen und Situationen umgehend mit verbalen und mentalen Etiketten versieht. Ein solches Vorgehen mindert die Freude, Liebe, Kreativität und Lebendigkeit und hindert den Menschen daran, weiser zu werden.

Tolle hält fest, dass Worte die Wirklichkeit auf etwas reduzieren, das der menschliche Verstand erfassen kann, man jedoch mit Worten dem tieferen Sinn des Universums nicht näher kommt. Tolle verdeutlicht, dass Denken ohne Bewusstheit das Hauptdilemma der menschlichen Existenz ist und ein solches Denken durch das egogesteuerte Verweilen in der bloßen Begriffswelt entsteht.

Das Ego, dem Tolles Hauptaugenmerk gilt, neigt dazu Haben und Sein zu verwechseln und lebt vom pausenlosen Vergleich. Der Vergleich hat leider immer Anfeindungen zur Folge und hindert daran, die Realität als das wahrzunehmen, was sie tatsächlich ist.

Kein Ego hat langfristig Bestand ohne das Verlangen nach mehr. Man muss sich dieses Verlangen als unstillbaren Hunger vorstellen. Je größer das Ego eines Menschen ist, desto ingrimmiger und skrupellos entschlossener verfolgt er sein Ziel. Tolle erinnert in diesem Zusammenhang an Dschingis Khan, Stalin und Hitler.

Klar werden sollte, dass egobedingtes Verlangen strukturbedingt ist und kein Inhalt tatsächlich dauerhafte Erfüllung bringen kann, solange das geistige Raster nicht verändert wird. Negativität und Unzufriedenheit bestimmen so agierende Personen. Der Egogeist kommt erst zum Stillstand, wenn man sich der Egostrukturen entledigt.

Tolle empfiehlt auf das negative Ego eines Dritten nicht mit dem eigenen Ego zu antworten, weil man nur so dem Anderen zur geistigen Gesundheit verhelfen kann. Nichtreagieren ist keineswegs Schwäche, sondern vielmehr Stärke, weil man sich nicht für die Aufrechterhaltung eines kranken Egos zur Verfügung stellt.

Natürlich muss man sich des eigenen Egos bewusst werden und sich seiner durch Bewusstheit entledigen. Jedes Ego ist ein Meister der selektiven Wahrnehmung und verzerrter Interpretation. Tolle zeigt auf, dass das Ego eine kollektive Funktionsstörung, dass es die Geistesgestörtheit des Menschen ist. Wenn jemand mehr weiß, mehr hat oder mehr tun kann als man selbst, fühlt sich das Ego bedroht, weil das Empfinden "weniger" zu sein im Verhältnis zu anderen, das Selbstwertgefühl vermindert. Das Ego neigt dann dazu, andere herabzusetzen und den Wert der Fähigkeiten und des Eigentums anderer herunterzuspielen. Eine andere Möglichkeit ist die sich mit dem Anderen zu verbünden, um auf diese Weise die vermeintliche Schräglage zu relativieren.

Das Ego möchte stets entweder vom anderen etwas haben oder es verfällt in totale Gleichgültigkeit, wenn es meint, vom anderen nichts holen zu können. Das Ego empfindet für einen Dritten nichts. Deshalb herrschen nach Tolle in Egobeziehungen stets nur drei Zustände vor: Verlangen, frustriertes Verlangen (Wut, Groll, Schuldzuweisung, Klagen) und Gleichgültigkeit. Das Ego eines Menschen blüht auf, wenn ihm Aufmerksamkeit gewidmet wird, die man als eine Form von psychischer Energie begreifen sollte. Wenn das Ego keine positive Beachtung findet, versucht es negativ aufzufallen und negative Reaktionen beim anderen herauszufordern. Tolle verdeutlicht, dass negative Rollen besonders dann gespielt werden, wenn das Ego durch einen aktiven Schmerzkörper vergrößert ist, gemeint ist der emotionale Schmerz aus der Vergangenheit, der nach Auffrischung durch neue schmerzliche Erfahrung verlangt. Tolle zeigt die unterschiedlichen Gesichter und Konditionierungen des Egos und plädiert dafür, das Rollenspiel, das eigentlich ein Egospiel ist, bewusst aufzugeben, da Menschen, die das Ego im Griff hat, unfähig sind, das Leid, das sie über andere bringen, zu erkennen.

Je mehr die Bewusstheit eines Menschen zunimmt, umso intensiver schrumpft das Ego, das immer Trennung verursacht, weil es stets negativ besetzt ist mit Ausdrucksformen wie Wut, Hass, Gereiztheit, Ungeduld etc. Die vom Ego ausgelösten Emotionen beruhen nicht selten von der Identifikation des Verstandes mit äußeren Faktoren, die stets flüchtig sind und sich jeden Augenblick ändern können.

Tolle differenziert zwischen Emotionen und Seinszuständen. Letztere entspringen dem eigenen Inneren als die Liebe, die Freude und der Friede, also den Aspekten des wahren Wesens eines jeden Menschen.

Tolle macht klar, wie der innere Schmerzkörper das Denken negativ macht, auch wie er sich mit den Schmerzkörpern anderer fatalerweise verbinden kann und viel Leid auslöst, aber er zeigt auch wie man sich von diesem Schmerzkörper befreien kann. Grundvoraussetzung ist, sich mit den Ursachen bewusst auseinanderzusetzen

Wer ist man wirklich? Welche Beziehung hat man zum Augenblick? Ist das Jetzt für einen selbst nur Mittel zum Zweck? Das Leben findet immer im Jetzt statt, dessen sollte man sich bewusst werden. Tolle verdeutlicht, dass der Egogeist sich immer mit der Vergangenheit und der Zukunft befasst und dadurch nie wirklich mit dem Leben, dem Zustand des gegenwärtigen Augenblicks übereinstimmt. Daraus ergibt die sich Unbewusstheit im Jetzt und das Unvermögen sich am Augenblick zu erfreuen und in diesem aufzugehen.

Bei allem sollte man sich bemühen, den inneren Raum zu entdecken und hinter die Dinge zu blicken. Dererlei Bemühungen, die Tolle hilfreich unterstützt, führen zu einem anderen Umgang mit sich selbst als auch mit seinen Mitmenschen und ermöglichen mehr Kreativität und Kooperation, welche die Grundvorraussetzungen für eine neue Erde sind.

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