Dieses Blog durchsuchen

Rezension:Benediktinische Frauen bewegen die Welt: 24 Lebensbilder (Broschiert)

Die Benediktinerin Johanna Domek beschreibt in diesem Büchlein 24 Lebensbilder benediktinischer Frauen. Dabei geht es ihr nicht primär um geschichtliche Daten, die selbstverständlich zu jedem Leben dazugehören. Auch geht es ihr keineswegs um eine umfassende Würdigung historisch bedeutender Personen, obschon man beim Lesen des Textes manchen Frauen dieser Art begegnen kann. Der Nonne geht es in erster Linie und vor allem um die Chance zu einer Auseinandersetzung, um 24 Angebote zur Begegnung. Begegnungen mit Frauen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, beginnend im 5. Jahrhundert bis in unsere jüngste Zeit.

All diesen Frauen ist gemeinsam, dass sie unter der ganzheitlichen Lebensschule des Benedikt von Nursia und unter der Führung des Evangeliums Jesu Christi ihren Weg suchten, in einer Gemeinschaft lebten und beteten, eine Sendung annahmen und einen Dienst am Menschen und an den Menschen antraten.

Die Autorin skizziert das Leben folgender Benediktinerinnen: Scholastika (5./6. Jahrhundert) Hilda von Whitby (614-680), Gertrud von Nivelles (626-659), Bathild (630/35-680), Odilia (660-720), Walburga (710-779), Lioba (710-782), Adelheid von Vilich (um 970-1015), Hildegard von Bingen (1098-1179),Gertrud von Hackborn(1232-1292), Mechthild von Hackeborn (1241-1299), Gertrud von Helfta (1256-1302), Mechthild von Magdeburg (1207-1294), Salome von Pflaumern( 1591/2-1654), Mechthild de Bar (1614-1698), Josephine von Fürstenberg-Stammheim (1835-1895), Getrud Leupi(1825-1904), Hildegardis Wulff (1896-1961),Christel Felizitas Schmid (1892-1970),

Thekla Wessendorf (1898-1986), Agnes Johannes (1900-1993), Caritas Hopfenzitz (1913-2005), Helen Lombard (1936-2000)und Johanna Calmon Villas Boas (1920-2205).

Es ist wohltuend von der Gelehrtheit und Güte dieser oft mutigen, liebenden, liebenswürdigen Frauen von großer Entschluss -und Tatkraft lesen zu dürfen.


Empfehlenswert.


Rezension: Zuflucht zur Geduld: Worte für alle Tage (Gebundene Ausgabe)


Dieses Buch beinhaltet viele gute Gedanken seiner Heiligkeit des 14. Dalai Lama. Für jeden Tag im Jahr hält er eine Weisheit bereit, über die es sich wirklich lohnt nachzudenken. Heute am 29. April lässt er uns Folgendes wissen: " Die fünf wesentlichen Hindernisse sind: sinnliche Begierde, Zorn, Faulheit, Ruhelosigkeit und mangelndes Vertrauen." Beim ersten Lesen fragte ich mich spontan: " Hindernisse, in welcher Beziehung "? Bald wurde mir klar, dass Hindernisse für alles, hauptsächlich für ein glückliches Leben gemeint sind.


Gestern reflektierte ich über den Satz: " Selbsthass ist eine Form des Hochmuts: Man misst sich an allerhöchsten Maßstäben. " Eine interessante Betrachtung. Je perfektionistischer ein Mensch ausgerichtet ist, um so mehr wird er sich hassen, weil er sich niemals genügen kann und je mehr er sich hasst, um so wird er auch seine Mitmenschen hassen, weil auch sie seinen Maßstäben nicht entsprechen können. Leider.

Den Wonnemonat Mai- er soll ja der Monat der Verliebten sein-, überdurchschnittlich viele Ehen werden im Mai geschlossen, beginnt Dalai Lama mit der Feststellung, dass wir das größte Glück dann erfahren, wenn wir ohne Erwartung einer Gegenleistung geben und nicht im Gegenzug Liebe oder Zuneigung fordern. Die Basis dieser Ethik ist der Wunsch, anderen nützlich zu sein. Vielleicht gehen so viele Liebesbeziehungen und Freundschaften in die Brüche, weil die Erwartungshaltungen an das Gegenüber zu hoch sind und man nicht bereit ist vorbehaltlos zu schenken.

Dalai Lama hält zudem fest, dass viel zu besitzen keineswegs geistigen Frieden schenkt. Er erinnert an all jene Menschen, deren Wohlstand bis an ihr Lebensende gesichert ist und die trotzdem an Ängsten, Depressionen und Unzufriedenheit leiden, weil sie nur an sich selbst denken können. Mir sind immer wieder solche Menschen begegnet, verstanden habe ich ihre Unzufriedenheit nie. Es ist zutreffend, die eigentliche Geißel vieler begüterter Zeitgenossen ist die Selbstsucht.

Gefallen hat mir eine Sentenz des Buddhisten, in der er festhält, dass die wechselseitige Verbundenheit eines der grundlegenden Prinzipien der buddhistischen Lehre ist. Keiner kann für sich alleine existieren, sondern wir alle hängen voneinander und vom Rest der Welt ab. Das sollten sich Egoisten bewusst machen, denn das eigene Glück ist mit dem der anderen untrennbar verbunden. Ernst nehmen sollte man auch die Erkenntnis, das Feindseligkeit, Hass, zwanghaftes Denken sich negativ auf den Körper auswirken und unserer natürliche Gesundheit untergraben. Menschen, die von Neid durchdrungen sind, sollten lernen sich am Glück des anderen zu erfreuen, denn auf diese Weise erfahren wir selbst Freude, wenn anderen etwas Gutes widerfährt.

Dalai Lama macht dem Leser unmissverständlich klar, dass Hass und Zorn von äußeren Umständen abhängen, sie existieren also nicht unabhängig aus sich heraus, auch sind sie im Geist nicht ständig und dauerhaft vorhanden. Er folgert, dass sie sich genau deshalb bezähmen, umwandeln und schließlich beseitigen lassen. Was hindert jeden Einzelnen daran es auch zu tun?

Bewusst machen sollte man sich, dass Menschen es nicht mögen, wenn man sie belügt, betrügt oder bedrängt...Dalai Lama nennt den Grund hierfür. Er ist überzeugt, dass diese Art nicht dem menschlichen Geist entspricht. Setzt man auf Täuschung, mag man zwar kurzfristig beachtliche Ergebnisse erzielen, allerdings werden diese am Ende keinen Bestand haben prophezeit das Oberhaupt der Tibeter.

Man sollte erkennen, dass man für alles was man erlebt, selbst die Ursachen gelegt hat. Ist dies erst einmal geklärt, steigt die Motivation alles Mögliche zu tun, um nicht durch wenig nützlich Gedanken und Handlungen neues Karma anzusammeln.Wichtig auch ist Demut zu zeigen, denn auf diese Weise wachsen unsere positiven Eigenschaften. Je stolzer man ist, umso mehr entfernt man sich vom Glück, macht der Dalai Lama deutlich.

Hervorheben möchte ich die Botschaft Dalai Lamas, die er für den 4. Dezember vorsieht: " Wir können nicht glücklich werden, wenn wir unsere Illusion der Wirklichkeit vorziehen. Die Wirklichkeit ist weder gut noch schlecht. " Hat man dies erst mal begriffen und des Weiteren erkannt , dass Liebe und Mitgefühl die letztendliche Quelle des Glücks darstellen, wird man jeden Tag ganz bewusst beginnen und sehr behutsam mit seinen Mitmenschen um gehen. Zwar wird man sicher immer wieder mal in alte Verhaltensmuster zurückfallen, aber der begonnene Lern- und Erkenntnisprozess wird zwangsläufig neue Wege eröffnen. Wir werden uns immer stärker unseren Mitmenschen zuzuwenden. Wir werden mehr und mehr bemüht sein anderen zu helfen und wir werden zu begreifen beginnen, dass die Wurzel aller Probleme darin besteht, dass wir zu häufig an uns selbst denken.

Ein Buch, in dem man jeden morgen eine Weisheit lesen sollte, denn sie ist ein guter Begleiter für den Tag.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.



Rezension: Glaubenszeichen: Farben und Symbole der Christen (Gebundene Ausgabe)


Pater Anselm Grün hat gemeinsam mit dem Künstler Eberhard Münch dieses bemerkenswerte Buch verfasst, das u.a. 60 Bilder und Skizzen des Künstlers enthält. Entsprechende Texte Anselm Grüns setzen sich mit den sogenannten lithurgischen Farben, den christlichen und biblischen Symbolen und den Sinnbildern der Bibel auseinander.

Eberhard Münch ist freischaffender Künstler. Er hat an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg Wandmaler studiert und im Laufe der letzten Jahrzehnte mehr als 120 Kirchen und Kapellen gestaltet.

Im Buch wird jeweils erklärt, worum es bei den einzelnen Bildern des Künstlers geht. Das erste Bild - eine Abstraktion in Gelbtönen - verdeutlicht die Dimension eines tiefen "inneren" Schauens, das dann folgende- eine Abstraktion in Weiß- zeigt den inneren klaren Raum in uns. Sehr beeindruckend.

Anselm Grün erklärt die lithurgischen Farben: Weiß, Rot, Violett, Rosa, Schwarz Gold und Grün (die Farbe des Anfangs). Das entsprechende Bild von Eberhard Münch zeigt vielfältige Nuancen des Grün. Angedacht ist die Grünkraft, von der Hildegard von Bingen einst schrieb.

Hochinteressant ist die Erklärung der christlichen Symbole, beginnend mit dem zentralen Symbol des Christentums, dem Kreuz, das als Licht die Dunkelheit der Welt vertreiben soll und ein Zeichen gegen die Angst der Menschen darstellt. In dem Bild von Münch ist das Kreuz inmitten des Wirbels der Emotionen, die den Menschen bedrohen, angesiedelt.

Des Weiteren lernt man das Monogramm Christi von seiner Bedeutung her kennen, auch die Fische als Zeichen der Unsterblichkeit, die Evangelistensymbole - Gesicht , Löwe, Stier und Adler -, die Taube als Symbol der Reinheit und Klarheit des Heiligen Geistes, den Kelch, die Schale, Brot und Wein sowie die Kerze, die in alle Farben unseres Lebens eindringt und es auf diese Weise verwandelt.

Zu den textlich sehr guten Symbolerläuterungen und zu den Erklärungen der Sinnbilder der Bibel, wie etwas >> Baum des Lebens<<,>>die Perle<<, >>der Weinstock und die Reben<

Erläuterungen zum rosaroten Messgewand finden Sie auf meinem Rezensionsblog unterhalb der Rezension.

Bitte klicken Sie auf den Button unten , dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen. 

Rezension:Dalai Lama: Mein Leben in Bildern (Gebundene Ausgabe)

" Mein Leben in Bildern " von Dalai Lama beinhaltet 170 Fotografien, die von seiner Heiligkeit selbst kommentiert worden sind. In Beiträgen von Mathieu Ricard und Claudine Vernier- Palliez wird über das Leben des Dalai Lama und über die geistigen Inhalte des buddhistischen Glaubens berichtet. Man erfährt, dass der Dalai Lama das religiöse und politische Oberhaupt Tibets ist. Der gegenwärtige 14. Dalai Lama , Tenzin Gyatso( inthronisiert 1940) , floh nach der Besetzung Tibets durch China nach Indien, lebt in Dharamsala ( Bundesstaat Himachal Pradesh) und tritt im Rahmen der von ihm geleiteten, von keinem Staat offiziell anerkannten, tibetischen Exilregierung dafür ein, über Verhandlungen mit der chinesischen Regierung eine wirkliche Autonomie Tibets zu erlangen.

Auf internationaler Ebene setzt sich der Dalai Lama für Toleranz zwischen den Religionen und Völkern und für die Wahrnehmung der globalen Verantwortung der Menschheit ein. 1989 erhielt er den Friedensnobelpreis. Weltweit gilt er als einer der bedeutendsten religiösen Repräsentanten der Gegenwart. Der 14. Dalai Lama möchte jungen Leuten bei der Entwicklung menschlicher Eigenschaften helfen, die sie befähigen, ihre Intelligenz weise und altruistisch einzusetzen. Nach seiner Meinung muss man sich auch bewusst werden, dass es unser Geist ist, der die Erfahrung von Glück und Leid macht und wir auf dem Irrweg sind, wenn wir hoffen, das Glück außerhalb von uns selbst zu finden.

Dem Buddhismus gemäß ist das Glück ein Wohlbefinden, das aus einem außerordentlich klaren und ausgeglichenen Geist entsteht. Es wird als eine Eigenschaft des Seins begriffen, die alle Freuden und alles Leid des Daseins in sich birgt, und auch ein Zustand der Weisheit, frei von Hass, Begierde, Stolz und Eifersucht.
Der Dalai Lama geht davon aus, dass ein Mensch, der mit sich im Frieden lebt, spontan zum Frieden seiner Familie, seiner Nachbarschaft, seines Dorfes und, wenn notwendig, seines Landes beiträgt.Der glückliche Mensch fördert durch seine Gelassenheit und sein Mitgefühl ganz selbstverständlich das Wohlbefinden der Gesellschaft, in welcher er lebt.

Der Dalai Lama konstatiert: " Es ist ein tragischer Irrtum, wenn man das Glück sucht und dabei vom Leid der Mitmenschen unberührt bleibt. " Des Weiteren betont seine Heiligkeit, dass niemand ohne Liebe und Mitgefühl auskommen kann. Vom Tag der Geburt bis zu unserem Tode müssen wir Liebe bekommen und auch geben. Menschen, die uns Unrecht tun , müssen wir als Personen betrachten, die von Feindseligkeit, Geiz, Arroganz und Eifersucht vergiftet sind. Man muss solche Menschen daran hindern, so der Dalai Lama, Schaden anzurichten, ohne hingegen so zu werden, wie die vom Hass Getriebenen.

Eine Fülle beeindruckender Bilder warten auf den Betrachter. Fotografien aus der frühesten Kindheit des Dalai Lamas. Er sagt, dass er über seine bescheidene Herkunft froh sei, weil ihm dies ermöglicht habe die Gefühle kleiner Leute zu beurteilen und in deren Seele zu lesen. Die Bilder dokumentieren, dass das Leben vieler Tibeter hart war. Der Dalai Lama verdeutlicht , dass die Menschen dennoch nicht von Neid durchdrungen waren und hält fest, dass Neid stets zur Unzufriedenheit führt und Glück nur einem friedvollen Geist entspringen kann. Bilder aus den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts dokumentieren die Vita des Dalai Lamas und die Geschehnisse in Tibet zu jener Zeit.

Man sieht wie 1959 die tibetischen Zivilisten in Lhasa vor den chinesischen Truppen kapitulieren und wird mit Bildern konfrontiert, wo man den Dalai Lama auf der Flucht ins Exil nach Indien beobachten kann. Immer, selbst in den dunkelsten Stunden, geht eine erstaunliche Heiterkeit von ihm aus. Man fühlt seine Gelassenheit. Darin liegt seine wahre Stärke. Gezeigt werden durch die Chinesen zerstörte Klöster. 95 % der tibetischen Klöster wurden von den Chinesen zerstört. Der Dalai Lama hält fest, dass die Mönche in Arbeitslager deportiert und gezwungen wurden, ihr Zölibatsgelübde aufzugeben und die Gebäude in Ställe oder Militärbaracken umgewandelt wurden. Toleranz haben die Chinesen nicht gekannt.

Erst nach Maos Tod erlaubten die Kommunisten die Wiedereinführung der religiösen Feste und Praktiken, besonders die Feiern zum Losar- Fest. Zugelassen war bei dieser Gelegenheit wieder die Nationaltracht und man durfte erneut in das Jokhang- Kloster pilgern, allerdings unter der Kontrolle der chinesischen Besatzungsmacht. Die farbigen Fotos von diesem Fest sind beeindruckend.
Interessant sind auch die Bilder, die die dialektischen Debatten junger tibetischer Mönche zeigen.
Es folgen eine Reihe sehr schöner Fotos des Dalai Lama. Auf einem dieser Fotos sind seine betenden Hände zu sehen.



Ich möchte abschließend noch drei Sentenzen Dalai Lamas zitieren, über die es sich lohnt nachzudenken:

" In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz."

" Wenn Leute lachen, sind sie fähig zu denken."

" Meine Philosophie ist die Freundlichkeit."

Nach einer Meinungsumfrage in Deutschland sehen 33 Prozent der Bevölkerung im
Dalai Lama die derzeit weiseste Person.

Rezension:Tag für Tag zur Mitte finden: Lesebuch durch das Jahr (HERDER spektrum) (Taschenbuch)

Die klugen Gedanken Dalai Lamas beeindrucken mich immer wieder. Es ist lohnenswert über jeden einzelnen Gedanken, den man im vorliegenden Buch findet, zu meditieren und mit anderen darüber zu sprechen. Jeden Tag ( er ordnet jede Sentenz einem Kalendertag zu) sollte man einen dieser zutiefst humanistischen Sätze voller Weisheit und Spiritualität auf sich wirken lassen und versuchen daraus Erkenntnisse für das eigene Leben zu ziehen.

Der große Denker des Ostens hat für sich herausgefunden, dass die höchste innere Ruhe sich aus der Entwicklung von Liebe und Mitgefühl ergibt. Er verdeutlicht uns, dass unser eigenes Wohlbefinden umso größer wird, je mehr wir uns um das Glück anderer sorgen. Geist und Seele werden durch ein warmes Gefühl der Nähe zu unseren Mitmenschen in Ruhe und Ausgeglichenheit versetzt. Ruhe und Ausgeglichenheit sind die entscheidende Quelle für ein erfolgreiches Leben. In vielen seiner Sentenzen kommt genau dies zum Ausdruck.

Immer wieder richten sich Dalai Lamas Worte gegen den Zorn, vor dem er zu Recht warnt. Werden Menschen zornig, verlieren sie jeden Sinn für Glück. Im Moment der Wut werden selbst die schönsten Gesichter hässlich und das körperliche Wohlbefinden verschlechtert sich. Zorn lässt Menschen früher altern und macht Menschen krank, erklärt der Dalai Lama, denn es schwinden Glück, Frieden und innere Ruhe, weil man seine Mitmenschen nicht mehr wertschätzen kann. Für den Dalai Lama sind Nächstenliebe, Mitgefühl und Vergebung keine religiösen Angelegenheiten. Er unterstreicht, dass es von einem eingeschränkten Verständnis zeugt diese moralischen Fragen nur im Rahmen des religiösen Glaubens behandeln zu wollen. Ich stimme ihm, wie in so vielen seiner Reflektionen auch hier absolut zu.

Der Friedensnobelpreisträger weiß, dass sich für Menschen, die die Fähigkeit zur Liebe verloren haben und ihre Mitmenschen nur noch als Feinde sehen viel Leid und Verwirrung für ihre Seelen ergibt, ganz unabhängig davon über wie viel Bildung, Wissen und materiellen Besitz sie verfügen.
Der Buddhist hat nur eine Bitte, dass man dem Grundsatz der Liebe im Leben folgt.

Ich erlaube mir drei Sentenzen Dalai Lamas, die mir besonders gut gefallen, zu zitieren:

" Statt unglücklich und von Hass erfüllt zu sein, sollten wir uns am Glück anderer erfreuen."

" Wenn ein Mensch niemals Liebe von seinen Mitmenschen erfahren hat, ist er sehr traurig. Wenn allerdings dieser Mensch auch nur einem Menschen begegnet, der bedingungslose Liebe - einfache Annahme der Person und Mitgefühl - zeigt, und wenn dieser Mensch weiß und fühlt, dass diese Zuneigung und Liebe des anderen Menschen ihm zugedacht ist, dann hat dies zweifellos eine Wirkung, die jeder Mensch wertschätzen wird. Weil auch in diesem betreffenden Menschen ein Same der Menschlichkeit ist, wird die von einem anderen Menschen erfahrende Liebe den Samen öffnen, aufgehen und reifen lassen."

" Wenn ich mit einem mir noch unbekannten Menschen zusammentreffe, dann achte ich weniger darauf, welche Stellung er innehat, ob er reich ist oder arm. Für mich zählen sein Gesichtsausdruck und sein Lächeln, sein Blick. Das sagt mehr über einen Menschen aus als alles, was in seinem Pass vermerkt ist."


Empfehlenswert!



Rezension:Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung- E. Tolle

Folgt man den Gedanken Eckart Tolles so liegen die Hauptursachen für Unglück und Leid eines jeden Individuums, aber auch der Menschheit im Ganzen im Unvermögen, sich ausschließlich auf das Jetzt zu konzentrieren und in der Tatsache dem eigenen Ego zuviel Raum zu geben.

Bereits vor 2500 Jahren haben alte Weisheitslehrer auf die Folgen der Gestörtheit des Egogeistes hingewiesen, die heute so weit gediehen sind, dass sie das Überleben der Erde in Frage stellen. Wir sind alle klug beraten, wenn wir uns völlig umorientieren. Möglich ist dies allerdings nur durch einen Erkenntnisprozess, der weit über die üblichen intellektuellen Dimensionen hinausgeht. Wie schafft man es, alten Egodenkmustern den Rücken zu kehren und sich neuen Bewusstseindimensionen zu öffnen?

Man muss begreifen, dass man gegenüber der Wirklichkeit und dem Wunder des Lebens abstumpft, wenn man Dinge, Menschen und Situationen umgehend mit verbalen und mentalen Etiketten versieht. Ein solches Vorgehen mindert die Freude, Liebe, Kreativität und Lebendigkeit und hindert den Menschen daran, weiser zu werden.

Tolle hält fest, dass Worte die Wirklichkeit auf etwas reduzieren, das der menschliche Verstand erfassen kann, man jedoch mit Worten dem tieferen Sinn des Universums nicht näher kommt. Tolle verdeutlicht, dass Denken ohne Bewusstheit das Hauptdilemma der menschlichen Existenz ist und ein solches Denken durch das egogesteuerte Verweilen in der bloßen Begriffswelt entsteht.

Das Ego, dem Tolles Hauptaugenmerk gilt, neigt dazu Haben und Sein zu verwechseln und lebt vom pausenlosen Vergleich. Der Vergleich hat leider immer Anfeindungen zur Folge und hindert daran, die Realität als das wahrzunehmen, was sie tatsächlich ist.

Kein Ego hat langfristig Bestand ohne das Verlangen nach mehr. Man muss sich dieses Verlangen als unstillbaren Hunger vorstellen. Je größer das Ego eines Menschen ist, desto ingrimmiger und skrupellos entschlossener verfolgt er sein Ziel. Tolle erinnert in diesem Zusammenhang an Dschingis Khan, Stalin und Hitler.

Klar werden sollte, dass egobedingtes Verlangen strukturbedingt ist und kein Inhalt tatsächlich dauerhafte Erfüllung bringen kann, solange das geistige Raster nicht verändert wird. Negativität und Unzufriedenheit bestimmen so agierende Personen. Der Egogeist kommt erst zum Stillstand, wenn man sich der Egostrukturen entledigt.

Tolle empfiehlt auf das negative Ego eines Dritten nicht mit dem eigenen Ego zu antworten, weil man nur so dem Anderen zur geistigen Gesundheit verhelfen kann. Nichtreagieren ist keineswegs Schwäche, sondern vielmehr Stärke, weil man sich nicht für die Aufrechterhaltung eines kranken Egos zur Verfügung stellt.

Natürlich muss man sich des eigenen Egos bewusst werden und sich seiner durch Bewusstheit entledigen. Jedes Ego ist ein Meister der selektiven Wahrnehmung und verzerrter Interpretation. Tolle zeigt auf, dass das Ego eine kollektive Funktionsstörung, dass es die Geistesgestörtheit des Menschen ist. Wenn jemand mehr weiß, mehr hat oder mehr tun kann als man selbst, fühlt sich das Ego bedroht, weil das Empfinden "weniger" zu sein im Verhältnis zu anderen, das Selbstwertgefühl vermindert. Das Ego neigt dann dazu, andere herabzusetzen und den Wert der Fähigkeiten und des Eigentums anderer herunterzuspielen. Eine andere Möglichkeit ist die sich mit dem Anderen zu verbünden, um auf diese Weise die vermeintliche Schräglage zu relativieren.

Das Ego möchte stets entweder vom anderen etwas haben oder es verfällt in totale Gleichgültigkeit, wenn es meint, vom anderen nichts holen zu können. Das Ego empfindet für einen Dritten nichts. Deshalb herrschen nach Tolle in Egobeziehungen stets nur drei Zustände vor: Verlangen, frustriertes Verlangen (Wut, Groll, Schuldzuweisung, Klagen) und Gleichgültigkeit. Das Ego eines Menschen blüht auf, wenn ihm Aufmerksamkeit gewidmet wird, die man als eine Form von psychischer Energie begreifen sollte. Wenn das Ego keine positive Beachtung findet, versucht es negativ aufzufallen und negative Reaktionen beim anderen herauszufordern. Tolle verdeutlicht, dass negative Rollen besonders dann gespielt werden, wenn das Ego durch einen aktiven Schmerzkörper vergrößert ist, gemeint ist der emotionale Schmerz aus der Vergangenheit, der nach Auffrischung durch neue schmerzliche Erfahrung verlangt. Tolle zeigt die unterschiedlichen Gesichter und Konditionierungen des Egos und plädiert dafür, das Rollenspiel, das eigentlich ein Egospiel ist, bewusst aufzugeben, da Menschen, die das Ego im Griff hat, unfähig sind, das Leid, das sie über andere bringen, zu erkennen.

Je mehr die Bewusstheit eines Menschen zunimmt, umso intensiver schrumpft das Ego, das immer Trennung verursacht, weil es stets negativ besetzt ist mit Ausdrucksformen wie Wut, Hass, Gereiztheit, Ungeduld etc. Die vom Ego ausgelösten Emotionen beruhen nicht selten von der Identifikation des Verstandes mit äußeren Faktoren, die stets flüchtig sind und sich jeden Augenblick ändern können.

Tolle differenziert zwischen Emotionen und Seinszuständen. Letztere entspringen dem eigenen Inneren als die Liebe, die Freude und der Friede, also den Aspekten des wahren Wesens eines jeden Menschen.

Tolle macht klar, wie der innere Schmerzkörper das Denken negativ macht, auch wie er sich mit den Schmerzkörpern anderer fatalerweise verbinden kann und viel Leid auslöst, aber er zeigt auch wie man sich von diesem Schmerzkörper befreien kann. Grundvoraussetzung ist, sich mit den Ursachen bewusst auseinanderzusetzen

Wer ist man wirklich? Welche Beziehung hat man zum Augenblick? Ist das Jetzt für einen selbst nur Mittel zum Zweck? Das Leben findet immer im Jetzt statt, dessen sollte man sich bewusst werden. Tolle verdeutlicht, dass der Egogeist sich immer mit der Vergangenheit und der Zukunft befasst und dadurch nie wirklich mit dem Leben, dem Zustand des gegenwärtigen Augenblicks übereinstimmt. Daraus ergibt die sich Unbewusstheit im Jetzt und das Unvermögen sich am Augenblick zu erfreuen und in diesem aufzugehen.

Bei allem sollte man sich bemühen, den inneren Raum zu entdecken und hinter die Dinge zu blicken. Dererlei Bemühungen, die Tolle hilfreich unterstützt, führen zu einem anderen Umgang mit sich selbst als auch mit seinen Mitmenschen und ermöglichen mehr Kreativität und Kooperation, welche die Grundvorraussetzungen für eine neue Erde sind.

Rezension: Die magischen Werke - Agrippa von Nettersheim

Der Autor des vorliegenden Buches ist Agrippa von Nettesheim, eigentlich Heinrich Cornelius (1486- 1535). Er war Arzt, Philosoph, Jurist und Theologe, aber auch Kabbalist und Alchemist, der im Rückgriff auf den Neuplatonismus, die Gnosis und die Kabbala nach den Mysterien der Natur suchte. 

Unter dem Begriff " Neuplatonismus" versteht man die letzte große Synthese der griechischen Philosophie, etwa zwischen 200 und 500 n. Chr. Außer platonischen Begriffen sind aristotelische, stoische und solche der spätantiken Mystik in den Neoplatonismus eingegangen. Höchster Begriff ist das über alle Bestimmungen erhabene Eine (Gott), aus dem nicht nur durch Schöpfung, sondern auch durch wesensnotwendige Ausstrahlung alle Seinsformen hervorgehen: zuerst der Geist, der die Ideen enthält, dann die Weltseele und die Bereiche der Erscheinungen bis hinab zur Materie. Alle Wesen haben den Drang zu dem Einem als ihren Ursprung zurückzukehren, sodass das Stufensystem der Welt nach der einen Seite Emanation, nach der anderen Seite Erlösung ist.

Gnosis ist in der griechischen Tradition die Bezeichnung für Erkenntnis überhaupt. Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet Gnosis als allgemeiner Begriff der Religionsphänomenologie das systematisch gefasste, nur wenigen Auswählten zugänglich göttliche Geheimwissen in esoterischen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.

In diesem Sinne ist der Gnostizismus die zusammengefasste Bezeichnung für mehrere spätantike, religiöse, dualistische Erlösungsbewegungen unterschiedlicher Herkunft. Grundlegend für das gnostische Weltbild ist die Interpretation der Welt und der menschlichen Existenz im Rahmen einer streng dualistischen Konzeption. Die materielle Welt wird als von einem Demiurgen geschaffen und widernatürlich angesehen. In ihr sind Teile der jenseitig göttlichen Welt des Lichts gefangen, die erlöst werden müssen. Der gnostischen Kosmologie entspricht eine Anthropologie, die im Leib das Gefängnis der Seele sieht. Erlösung aus der Gefangenschaft ist durch Erkenntnis möglich, in der christlichen Gnosis durch Christus, den Gesandten des göttlichen Lichts.

Kabbala schließlich ist die Bezeichnung für die jüdische Mystik und religionsphilosophische Geheimlehre. Kabbalisten verbinden die traditionelle jüdische Exegese mit Elementen der Gnosis, des Neuplatonismus wie dies auch Agrippa von Nettesheim tat.

Grundlage kabbalistische Spekulationen ist die Anschauung von den vier Welten und zehn Sphären, in denen sich die göttliche Kräfte abgestuft entfalten und das Geschehen in der materiellen Welt bestimmen, das der Kabbalist durch seine Frömmigkeit beeinflussen kann. Dem Bösen der anderen Seite wird durchaus eine Macht zuerkannt.

Im vorliegenden Werk interpretiert von Nettesheim, der übrigens u a . Vorlesungen über Reuchlins Kabbala hielt, den Neuplatonismus sehr originell. Er versucht die Magie als Naturwissenschaft darzustellen; Christentum und Magie sollen sich auf neuplatonischem Boden wieder begegnen.

Das umfangreiche Werk wurde zum Grundbuch der Renaissancemagie und des neuzeitlichen Okkultismus überhaupt.

Wenn man sich erst einmal auf die Texte eingelassen hat, üben sie eine enorme Faszination auf den Leser aus. Mit großem Interesse habe ich das Kapitel von den Zahlen, ihrer Macht und ihren Kräften gelesen, aber auch das 65. Kapitel " Wie die Leidenschaften der Seele auch nach außen auf einen fremden Körper einwirken ". Der Autor fokussiert den Zusammenhang zwischen Körper und Seele und weiß " Eine erhobene und durch eine lebhafte Einbildung erregte Seele bringt nicht allein ihrem eigenen, sondern auch fremden Körpern Gesundheit und Krankheit ". Er verweist auf Avicenna, Aristoteles Algazel und Galen, die diese Meinung auch vertraten. Möglicherweise gibt es den bösen Blick ja wirklich. Ich halte alles für möglich, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist.

Dass die musikalische Harmonie Auswirkungen auf die Seele hat, ist heute unbestritten und dass die menschliche Seele durch einzelne Grade der Unterordnung zur geistigen Welt hinaufsteigt und den höheren Geistern und Intelligenzen ähnlich wird, ist wünschenswert.

Am meisten allerdings bin ich von Agrippas Vorstellung fasziniert, dass Menschen, deren Imagination und denkende Kraft sehr stark sei, eine solche Kraft erlangen können, dass sie sich der Seele anderer mitteilen können, auch auf große Entfernungen. Liebende wissen das schon immer.
Aber lesen Sie bitte selbst.
Empfehlenswert.

Rezension: Jetzt!Limitierte Jubiläumsausgabe: Die Kraft der Gegenwart (Broschiert)

Selten hat mich der Inhalt eines Buches so überzeugt wie dieser. Eckart Tolle verdeutlich in seinem Text wie wenig sinnvoll es ist sich mit zersetzenden Gedanken , die sich mit Vergangenem und Zukünftigem befassen, auseinanderzusetzen, sondern stattdessen sein Augenmerk auf das Jetzt zu richten, denn nur dieses ist real. 

Man soll sich zur Gewohnheit machen, sich zu fragen: Was geht im Moment in mir vor? Tolle warnt davor sich mit seinem Verstand zu identifizieren, weil man durch ihn letztlich im Irrglauben der Zeit gefangen gehalten wird. Er empfiehlt die Illusion von Zeit zu beenden, weil diese in der Regel Ursache für mannigfaches Leid ist. Der Verstand zwingt dazu nahezu ausschließlich durch Erinnerung und in Erwartung zu leben. Genau dadurch resultiert die endlose Beschäftigung mit Vergangenheit und Zukunft und die Weigerung den gegenwärtigen Moment anzuerkennen, so der Autor, und diesem Augenblick zu erlauben zu sein. Man muss sich klar machen, dass es immer nur das Jetzt gibt. Nur das Jetzt ist kostbar, aber nicht die Zeit. Sie ist bloße Illusion.

Das menschliche Sein basiert nicht auf dem Verstand und den Emotionen, sondern es basiert auf dem jeweiligen inneren Energiefeld, welches zu kreativen Höchstleistungen verhelfen kann, wenn man sich bewusst im Jetzt aufhält und sich mit diesem ausschließlich beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft führt, so Tolle, in der Regel zu emotionalem Schmerz, der auch die Hauptursache für körperlichen Schmerz und körperlicher Krankheit ist. Groll, Hass, Selbstmitleid, Schuldbewusstsein, Wut, Depression, Eifersucht und anderes mehr, auch die geringste Verärgerung sind alles Ausdruck von Schmerz.
Tolle zeigt wie man das Erschaffen von Schmerz in der Gegenwart beenden und vergangenen Schmerz auflösen kann.

Schmerz, den man erschafft, entspringt aus der Ablehnung dessen, was ist, d.h. aus dem eigenen bewussten Widerstand. Auf Verstandesebene entspricht Widerstand einer Form von Beurteilung auf emotionaler Ebene einer Form von Negativität. Interessant ist, dass die Intensität des Schmerzes vom Grad des Widerstandes gegenüber dem gegenwärtigen Moment abhängt. Je mehr man fähig ist das Jetzt, so wie es sich darstellt, anzuerkennen, desto geringer sind der Schmerz und das Leiden. Tolle rät den Moment zum Freund und Verbündeten zu machen und nicht zum Feind. Er weiß, dass auf diese Weise sich das ganze Leben auf wundersame Weise verwandeln kann. Man möge sich dem hingeben, was ist und stets ja zum gegenwärtigen Moment sagen, dann beginnt das Leben für und nicht gegen einen zu arbeiten.

Tolle erklärt den Begriff Schmerzkörper und zeigt wie man diesen auflösen kann. Wenn der Schmerzkörper von einem Menschen Besitz ergriffen hat, will er immer mehr Schmerz. Ein solcher Mensch wird zum Opfer oder zum Täter. Er möchte Schmerz zufügen oder selbst erleiden oder beides. Natürlich sind sich Menschen, die so Handeln ihres Tuns nicht bewusst. Sobald Bewusstsein entsteht, entscheiden sich Menschen gegen diesen Wahnsinn. Wer gegenwärtig wird und bleibt, ist bewusst. Er hört auf zu leiden, den Leiden benötigt Zeit. Vergangenheit kann nur durch einen Mangel an Gegenwärtigkeit aufrechterhalten werden. Die Qualität des eigenen Bewusstseins in diesem Moment verleiht der Zukunft Gestalt. Aber diese kann nur als Jetzt erfahren werden.

Solange man unbewusst lebt, wird das kreative Potenzial des Jetzt von der psychologischen Zeit verdeckt. Dies ist die Ursache dafür, dass das Leben an Frische, Dynamik und Staunen verliert. Stattdessen werden alte Muster aus Gedanken, Emotionen, Verhalten, Reaktionen und Wünschen immer wieder neu aufgewärmt. Zudem erschafft der Verstand eine Besessenheit von der Zukunft als Flucht vor einer unbefriedigenden Gegenwart. Der Mensch existiert dann unglücklich in seiner Illusionswelt der Vergangenheit und Zukunft und hört auf zu leben. Leben ist nur im Hier und Heute möglich.

Tolle lehrt den Leser Zugang zum inneren Körper zu finden. Wer diesen Zugang gefunden hat, wird deutlich langsamer altern. Wer in seinem Körper präsent ist, verbessert sein Immunsystem und schützt sich vor negativ -emotionalen Kraftfeldern Dritter.Nur wer sein eigenes Sein fühlt und erkennt ist in der Lage das Sein seiner Nächsten zu erkennen. Auf der tiefsten Ebene des Seins ist man eins mit allem, was ist. Nur dort ist die Liebe zu finden.

Zwischenmenschlich Beziehungen beruhen leider zumeist ausschließlich auf gemeinsamen Verstandesaktivitäten. Deshalb auch gibt es so viele Konflikte. Tolle konstatiert, dass immer dann, wenn der Verstand das Leben bestimmt, Konflikte, Zwietracht und Probleme unvermeidbar sind. Nur der Kontakt mit dem inneren Körper schafft einen klaren Raum von No-Mind, in dem die Beziehungen blühen können.
Damit Liebe sich entfalten kann, muss das Licht der Gegenwärtigkeit stark genug sein. Man muss Dritte so wie sie sind annehmen, ohne das Bedürfnis zu haben sie verändern zu wollen oder zu verurteilen. So schafft man einen Raum jenseits vom Ego. So ist wahre Kommunikation und wahre Liebe möglich.

Die Energieform, aus welcher Feindseligkeit und Angriffe entstehen, verhält sich, so Tolle, absolut allergisch gegen die Gegenwart von Liebe.Die grundlegenden Muster des Egos sind darauf angelegt seine tiefe Angst und sein Gefühl von Mangel zu bekämpfen. Es handelt sich um Widerstand, Kontrolle, Macht, Gier, Abwehr und Angriff.Diese Negativität ist aber unnatürlich, denn sie schadet dem Menschen. Man entzieht sich ihr indem man sich absolut der Situation hingibt und keinen Widerstand leistet. Das bedeutet keineswegs sich aufzugeben und ist auch kein Zeichen von Schwäche. Das Gegenteil ist der Fall. In dem Augenblick, in dem man Unfrieden vollständig akzeptiert, wird er sich in Frieden verwandeln. Tolle schreibt vom Wunder der Hingabe. Wenn man aufhört Widerstand zu bieten, verliert jeder Aggressor die Macht das innere Befinden eines anderen zu kontrollieren.

Alles Unheil ist das Ergebnis von Unbewusstheit. Sich diesem zu entziehen ist nur möglich, wenn man bewusst im Hier und Heute lebt und sich aller Illusionen entledigt. Nehme man das Leben so wie es ist und mache jeden Minute das Beste daraus.
 

Rezension: Liebe .Entdecke, was dich leben lässt. - Benedikt XVI.

"Es ist der Hochmut, der glaubt, keine Reinigung nötig zu haben, und der sich der rettenden Güte Gottes verschließt. Es ist der Hochmut, der nicht bekennen kann und nicht zugeben will, dass wir der Reinigung bedürfen. In Judas sehen wir die Beschaffenheit dieser Ablehnung noch deutlicher. Er beurteilt Jesus nach den Kategorien der Macht und der Erfolgs: Für ihn ist nur Macht und Erfolg Wirklichkeit, die Liebe zählt nicht. Er ist habgierig: Geld ist wichtiger als die Gemeinschaft mit Jesus, wichtiger als Gott und die Liebe. Und so wird er auch zum Lügner, der ein doppeltes Spiel spielt und mit der Wahrheit bricht; er wird zu einem Menschen, der in der Lüge lebt und so den Sinn für die oberste Wahrheit, für Gott, verliert. Auf diese Weise verhärtet er, wird unfähig zur Bekehrung, zur vertrauensvollen Rückkehr des verlorenen Sohnes, und wirft das zerstörte Leben weg." (Zitat: Benedikt der XVI., S. 56)

Dieses Büchlein enthält eine Vielzahl besonders schöner, zentraler Texte über die Liebe aus Schriften und Ansprachen unseres Papstes Benedikt XVI. Ihm geht es in all seinen Texten darum, zu verdeutlichen, dass Gott kein abstraktes Prinzip ist, kein Produkt unseres Denkens, sondern, dass er die Liebe verkörpert, die allem zugrunde liegt, der wir uns verdanken und die, wie wir hoffen dürfen, selbst im Leid unser Leben trägt.

Die Texte der einzelnen Kapitel sind mit Sätzen aus dem ersten Korintherbrief überschrieben:

Über allem die Liebe: Die Liebe ist langmütig. Die Liebe ist gütig. Die Liebe erträgt alles. Die Liebe hofft alles. Die Liebe hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.

Unmöglich an dieser Stelle auf die vielen nachdenklichen, ungemein berührenden Texte des Papstes einzugehen. Sehr einfühlsam ist seine Schrift "Der Trost der Betrübten". Zur menschlichen Existenz gehöre Leiden ebenso wie das Tun. Es folge zum einen aus unserer Endlichkeit, zum anderen aus der Masse der Schuld, die sich in der Geschichte angehäuft habe und auch in der Gegenwart unaufhaltsam wachse.
Man könne Leid versuchen zu begrenzen, zu bekämpfen, doch aus der Welt schaffen können man es nicht.
"Nicht die Vermeidung des Leidens, nicht die Flucht vor den Leiden heilt die Menschen, sondern die Fähigkeit, das Leiden anzunehmen und in ihm zu reifen, in ihm Sinn zu finden durch die Vereinigung mit Christus, der mit unendlicher Liebe gelitten hat." ( Zitat: Benedikt XVI.)

Es ist schön zu sehen, wie nah sich doch Papst Benedikt XVI. und der Dalai Lama gedanklich sind.

" Es mag uns durchaus gelingen, zeitweise andere Menschen für unser Eigeninteresse einzunehmen oder womöglich auzunutzen, aber auf lange Sicht erreichen wir auf diese Weise noch nicht einmal unser eigenes kleines privates Glück."

" Liebe ist niemals "fertig" und vollendet; sie wandelt sich im Laufe des Lebens, reift und bleibt sich gerade dadurch treu."

Ich füge ganz bewusst nicht an, wer was gesagt hat. Aus ihrer Geisteshaltung heraus könnten die Sätze von beiden stammen.

Empfehlenswert.

Rezension: Der Sonnengesang des Franz von Assisi - Strahlend und in großem Glanz: Aquarelle und Betrachtungen (Gebundene Ausgabe)

In diesem Buch wird man auf den ersten Seiten über das Leben Franz von Assisi(1181-1226) informiert. Der reiche Kaufmannsohn lebte nach Krankheit und Bekehrungserlebnissen seit 1208 als Bettler und Wanderprediger und widmete sich der Pflege der Aussätzigen. Ein Jahr später schlossen sich ihm die ersten Gleichgesinnten an. Es entstand der "Orden der Minderen Brüder", der sich zu einem Leben in Armut und Buße im Dienst der Menschen und der Kirche entschloss. 1220 trat Franziskus von der Leitung des Ordens zurück. Er ging auf den Monte Alverno, wo es vier Jahre später zu seiner Stigmatisation kam. 1928 wurde Franz von Assisi heilig gesprochen.

Die Frömmigkeit des Heiligen war weniger durch theologische Gelehrsamkeit bestimmt, sondern stattdessen durch Einfühlsamkeit und Gebete. Sein "Sonnengesang" ist eines der ersten Zeugnisse der italienischen Lyrik in volkstümlicher Sprache. Obschon der Sonnengesang von spontaner Freude über die Geschöpfe erzählt, zeigt er einen kunstvoll gewählten Aufbau. Hand Jörg Federmann erläutert: Eingerahmt vom Lob Gottes am Anfang und am Schluss bilden die beiden Strophen über die Gestirne eine erste "Etage". Ihr folgen darunter die Strophen, die den vier klassischen Elementen gewidmet worden sind: Wind, Wasser, Feuer, Erde, (vgl.S.12). In der Gesamtheit bilden die Strophen die Form eines Kreuzes, in welchem sich das große Licht der Sonne und der Tod, als auch das kleine Licht des Mondes und die Krankheit diagonal gegenüberstehen.

Der Sonnengesang ist in deutscher und italienischer Sprache abgedruckt und wird von Aquarellen Eberhard Münchs begleitet. Beides wird von Federmann klug reflektiert. Münch hat aus den Strophen einen Bilderzyklus geschaffen. Ein Bild geht in das nächste über und macht auf diese Weise die innere Verknüpfung der Gottesschöpfung deutlich. Das letzte Bild greift in seinen Farben das erste auf. So wird es möglich, dass der Weg erkennbar wird, den der Sonnengesang seinen Beter führt( vg.: 13)

Mich begeistern die mediterranen Farben. Die schwungvollen, abstrakten Formen. Dass die Sonne für Franziskus mehr als nur das Licht war, das am Tag Orientierung bietet, wird in den Bildern deutlich. Licht und Helligkeit ist eine Sehhilfe für das tiefere Wesen der Dinge.

Am schönsten fand ich folgenden Vers:

Mutter Erde
Gelobt seist du, mein Herr
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernährt und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Dem Vers ist ein Aquarell beigegeben, das das filigranste Bild Münchs zum Sonnengesang ist. Hier tanzen abstrakte Blüten in einem Meer von Grünschattierungen und man sieht das Licht, das die Pflanzen vergnügt sprießen lässt.

Ein Buch, das ich gerne empfehle.

Bitte klicken Sie auf den Button unten, dann gelangen Sie zu Amazon und können dort das Buch bestellen.